... und ein gutes neues Jahr!

Weihnachts- und Neujahrskarten aus zwei Jahrhunderten. ( 13. 12. 1998 bis 21. 01.1999 )

Plakat-Und ein gutes neues Jahr
 

Die Ausstellung zeigte 500 Weihnachts- und Neujahrskarten darunter etliche aus der Entstehungszeit dieses Genres, also aus den Jahren um 1897, bis zur 3D-Karte aus der Gegenwart.

Die Karten entstammten eigenen Beständen und privaten Sammlungen in München, in Regensburg und natürlich in und um Schwabmünchen.

 

 

 

 

 

„... und ein gutes neues Jahr"  

Anmerkungen zur Ausstellung und zu deren Thema

Aus der Einführung der Museumsleiterin zur Ausstellungseröffnung

Hans Stadelmann - Weihnacht im Walde

 

Die Vorweihnachtszeit ist oftmals auch die Zeit, die Daumen anschwellen und Mittelfinger krumm werden lässt - bis all die Weihnachtskarten geschrieben sind, die es braucht, um sich ruhigen Gewissens dem Schmücken des Baumes zu widmen. Haben wir auch niemanden vergessen? Falls doch - und falls der Vergessene uns nicht ebenfalls vergisst, - gibt es ja noch einen „Nachholtermin" zu Neujahr.

 

Weihnachts- und Neujahrskarten zu schreiben, ist eine Sitte, die - trotz E-Mail und Telefon - noch immer lebendig ist. Sie gehört für viele Menschen einfach zur Weihnachtszeit wie das Plätzchenbacken oder der Adventskranz.

Einige basteln ihre Karten kunstvoll selber und für die anderen bietet der Kartenmarkt eine Menge Motive von fromm bis deftig. Auch was die Gestaltungstechniken betrifft, verfügt die Weihnachts- und Neujahrskarte über eine große Vielfalt. Da gibt es neben den gängigen im Offsetdruck hergestellten Karten noch solche mit Stoffapplikationen, Materialmischungen, Metallkarten, Stanz- und Prägekarten und vieles mehr.

Die Vielfalt, die das Angebot an Weihnachts- und Neujahrskarten kennzeichnet, entstand allerdings nicht erst in unserer Zeit. Sie lässt sich schon sehr früh beobachten.

Aber was ist eigentlich überhaupt "früh", wenn man von Grußkarten spricht?

 

Madlener - WaldweihnachtIm Jahr 1870 wurde in Deutschland - Bayern eingeschlossen - die sogenannte „Correspondenzkarte" eingeführt - eine Karte im Hochformat mit einem Textfeld auf der Vorderseite, während die Rückseite ausschließlich der Adresse vorbehalten war. In England gehörten solche Karten damals bereits längst zur alltäglichen Kommunikation. Dort war man 1870 bereits so weit, vorgedruckte Weihnachtskarten verschicken zu können.

Die Deutschen holten aber bald recht gut auf. In den ersten Monaten nach Einführung der Correspondenzkarte waren bereits zwei Millionen Stück verkauft.

Schon bald gab es auch hier die ersten Ansichtskarten. Damals noch mit dem Feld für den geschriebenen Text auf zwei Dritteln der hochformatigen Vorderseite, später auch in die Abbildung integriert.

Deutsche Reisende galten übrigens bald als diejenigen, die, kaum irgendwo aus Kutsche oder Eisenbahn ausgestiegen, schon zum Kartenkaufen liefen und Ansichtskarten verschickten.

 

Ihre Blütezeit erlebte die illustrierte Postkarte um die Jahrhundertwende. WaldweihnachtHier begann auch die massenhafte Herstellung von Grußkarten zu speziellen Anlässen. Die Chromolithografie erlaubte vieltausendfache Reproduktion eines Motivs in brillanter Druckqualität. Dazu kamen die Möglichkeiten von Fotografie bzw. Heliogravüre.

Deutschland wurde als Billiglohnland international führend in der Kartenproduktion und im Kartenexport.

 

Es ist der großen Anzahl zu verdanken, in der die Postkarten gedruckt wurden und der Tatsache, dass die illustrierte Postkarte sehr bald zum Kultobjekt wurde - also nicht nur verschickt, sondern auch aufgehoben, ja sogar schon sehr früh gezielt gesammelt wurde, dass heute noch recht viele und sehr schöne oder originelle Stücke auch aus der früheren Jugend der Grußkarte erhalten sind.

 

In der Ausstellung zeigten wir Weihnachts- und Neujahrskarten bereits aus der Entstehungszeit dieses Genres, also aus den Jahren um 1897. Die jüngste Karte wurde 1997 gekauft.

In den 100 Jahren dazwischen erlebte die Grußpostkarte unendlich viele Wandlungen und Variationen.

In der Ausstellung waren Prägekarten zu sehen, teils mit eingepresstem Metallstaub, Karten mit Stoffapplikation oder aufgeklebten Glasperlen - eine Technik, die übrigens 1929 von der Post verboten wurde. Eine Abteilung widmete sich den fotografischen Darstellungen - besonders witzig für uns heutige Betrachter natürlich die Fotos von leiblichen Weihnachtsengeln oder Fotos von der Heiligen Familie, den Chromolithografien bis hin zur Darstellung der heiligen drei Könige in 3D.

Den Anfang machten die früheste Karte von 1897 und die Karte zur letzten Weihnacht des 19. Jahrhunderts. Weiter ging es mit dem Weihnachtsbaum und seinen Variationen, der "Weihnacht im Walde" und der Weihnacht in Schwabmünchen. Bescherungen und Gabentische waren zu betrachten.

 


Natürlich bekamen auch „Klassiker" wie die Weihnachtskarten des "Malers der deutschen Weihnacht" Josef Madlener, die von Schwester Hummel, von Gudrun Keussen und Maria Spötl ihren Raum.

Das Christkind begegnete den Besuchern in vielerlei Be- und Verkleidungen und der Weihnachtsmann ebenfalls - mitsamt seinen Problemen, seinen Mutationen (etwa als Ente oder Teddybär) bis hin zu seinem Ende als Kreidesilhouette auf dem Tatort Straße. "Schöne Bescherung" hieß die Textaufschrift dieser Karte.

 

Den Kerzen- und Kugelstilleben der 70er und 80er Jahre wurde ebenso Platz eingeräumt wie en „coolen" Trendkarten der Neunziger.

 

Eine Ausstellungssektion widmete sich der biblischen Geschichte.

Hier wurde auch deutlich, was man „die Inbesitznahme der Geburt Christi durch die Alpenländer" bezeichnen könnte. Herbergssuche, Geburt Christi und die Anbetung der Könige auf den Karten bayerischer Verlage vollzog sich in der Mehrzahl ja im Alpen- oder Voralpenland.

 

Erster Weltkrieg - glükliche Fahrt ins neue Jahr!Die Weihnachts- und Neujahrskarte übernahm oftmals die Pionierrolle, wenn es galt, neue Druckverfahren oder Gestaltungstechniken auszuprobieren. Sie war also immer hochaktuell. Und als Saisonartikel war sie stets dem Zeitgeschmack verpflichtet. So erzählen diese kleinen Boten guter Wünsche auch noch so einiges über die Zeit, aus der sie kommen.

 

Dies belegen nicht nur die Kartenmotive aus Jahrhundertwende und Nationalsozialismus, sondern auch die modischen Karten aus den letzten Jahrzehnten.

 

Einzelne Motive allerdings ziehen sich in hartnäckiger Kontinuität durch die gesamte Geschichte der Weihnachts- und Neujahrskarten. Sie gehören einfach zum klassischen Repertoire und begegnen uns zu jeder Zeit. Ob 1905 oder 1950 - als notwendiges Rüstzeug für den Sprung in ein glückliches Jahr legen wir einander jede Menge Fliegenpilze, Schornsteinfeger, Kleeblätter, Geldkanonen und Schweine in die Briefkästen.

 

 

Sabine Sünwoldt

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