112 – da werden Sie geholfen 11.02.2017

Notruf 112

In ganz Europa ist die 112 die zentrale Rufnummer für den Rettungsdienst.

Landkreis Augsburg


112 – da werden Sie geholfen


Heute ist der europäische Tag des Notrufs. Es geht meist um Unfälle, Brände und Verletzte, aber auch um weniger dringliche Hilfsdienste. Ein Spaßanruf kann teuer werden.

 

 

Es sind drei Ziffern die Leben retten können – egal ob bei einem Unfall oder einem Wohnungsbrand. Die Notrufnummer 112 sollte jeder kennen, denn dann kommt Hilfe von Feuerwehr und Rettungsdienst. Was aber nur wenige wissen: Die 112 ist in ganz Europa erreichbar. Seit 2009 gilt der 11. Februar, also der 11.2., als „Europäischer Aktionstag der Notrufnummer 112“.


Anrufer, die in Bayern die 112 wählen, erreichen eine der 26 „Integrierten Leitstellen (ILS)“, die für einen bestimmten Bereich gemeinsam die Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst koordiniert. Wer im Landkreis Augsburg den Notruf 112 wählt, erreicht die „ILS Augsburg“, die von der Berufsfeuerwehr Augsburg betrieben wird. Im Obergeschoss der Berufsfeuerwehr koordiniert ein Team von Feuerwehr- und Rettungsdienstleuten, sogenannte Disponenten, Tag und Nacht eingehende Notrufe und schickt die entsprechenden Rettungskräfte auf den Weg.

 

Mindestens sechs Personen sind laut Pressesprecher der Augsburger Feuerwehr Anselm Brieger zeitgleich im Büro, zwei weitere stehen in ständiger Bereitschaft. Die Augsburger Leitstelle ist für die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries sowie für die Stadt Augsburg zuständig. Insgesamt 890000 Personen wohnen in diesem Gebiet.
Etwas mehr als 2000 Brandeinsätze
Etwa 200000 Rettungseinsätze werden jedes Jahr von Augsburg aus koordiniert, die meisten – etwa 130000 – dienen der Notfallrettung. Dagegen gibt es nur etwas mehr als 2000 Brandeinsätze. Unter die technische Hilfe mit knapp 8000 Einsätzen fallen unter anderem Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen, Aufzugstörungen, eiliges Türe öffnen oder kuriose Fälle: der Ring, der nicht mehr vom Finger runter geht, oder die Katze auf dem Baum, die der Besitzer gerne wieder bei sich haben möchte. „Wir haben uns die Mensch- und Tierrettung auf die Fahnen geschrieben, deshalb helfen wir auch bei den nicht so dringlichen Aufgaben“, sagt Brieger.


Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei warnen vor dem strafbaren Missbrauch der 112. Denn mit Spaßanrufen wird womöglich ein echter Einsatz verzögert. Das Gesetz stellt das missbräuchliche Wählen von Notrufnummern deshalb unter Strafe; es drohen eine Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahr. Stefan Missenhardt ist stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Schwabmünchen und warnt vor Spaßanrufen: „Eine missbräuchliche Alarmierung kostet in Schwabmünchen 1300 Euro. Das sind nur die reinen Einsatzkosten der Stadt, hinzukommen noch Personalkosten für den Lohnersatzausfall.“
Oft sind es Spaßanrufe von kleinen Kindern


In Königsbrunn werden die Kosten bei einem böswilligen Spaßanruf ebenfalls in Rechnung gestellt – ein niedriger vierstelliger Betrag ist nach Angaben des stellvertretenden Königsbrunner Kommandanten Thorsten Hahn fällig. Wenn ein sogenannter Irrtum des Meldenden vorliegt, der Anrufer also einen Notfall vermutet, dann muss er aber keine Strafe befürchten. Da die ILS Augsburg technisch in der Lage ist, Anrufer zurückzuverfolgen, kämen Spaßanrufe laut Anselm Brieger nur sehr selten vor. Oft seien es kleine Kinder, die sofort wieder auflegen. Wenn die Leitstelle zurückruft, würden meistens erstaunte Eltern am Apparat sein.
In den Statistiken der Feuerwehren taucht eine erstaunlich hohe Zahl von Fehlalarmen auf. In Königsbrunn war dies im vergangenen Jahr beispielsweise bei 64 von 254 Einsätzen der Fall. Diese Fehlalarme können durch Brandmeldeanlagen ausgelöst werden. Oft sei es aber auch so, dass die Hilfe der Feuerwehr vor Ort gar nicht mehr benötigt wird. Die ab spätestens 2018 verpflichtenden Rauchmelder in privaten Wohnungen sind übrigens nicht mit der Leitstelle verbunden, sie geben nur ein akustisches Signal von sich. „Man muss auf jeden Fall die 112 wählen, sonst kommt keine Hilfe“, warnt Missenhardt.
Wer einen Notruf abgibt, sollte ruhig bleiben und die fünf W-Fragen beachten: Wo ist es passiert? Was ist geschehen? Wie viele Personen sind verletzt? Welche Art von Verletzungen? Warten auf Rückfragen. Die Leitstelle beendet danach das Gespräch. Der Anrufer sollte laut Hahn so lange vor Ort bleiben, bis die Rettungskräfte eintreffen, um eventuell noch weitere Informationen geben zu können.


Bis zu 60 Prozent kennen die Notrufnummer 112 nicht
Wer in Deutschland die 110 wählt, erreicht die nächstgelegene Einsatzzentrale der Polizei. Diese sollte aber nur bei rein polizeilichen Angelegenheiten wie Bagatellunfällen oder Einbrüchen gewählt werden. Der Einsatz der Feuerwehr und des Rettungsdienstes kann sich dadurch verzögern, sagt Missenhardt. Er kenne Studien, die zeigen, dass bis zu 60 Prozent der Leute die Notrufnummer 112 nicht kennen.


Die in Bayern einst gültige Rettungsdienst-Rufnummer 19222 landet zwar noch immer in der ILS Augsburg, allerdings beim Disponenten für Krankentransporte. Diese Anrufe werden erst nach den 112-Notrufen bearbeitet – so kann lebensrettende Zeit verstreichen. Also besser gleich die richtige Nummer wählen: Dies sagte auch einst Verona Feldbusch in ihrem Werbespot: „Da werden Sie geholfen“. Gemeint war damals allerdings nicht die 112, sondern eine Telefonauskunft.

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