450 Jahre Michaelimarkt. Vom Jahrmarkt zum Volksfest

( 22.09.2012 bis 27.01.2013 )

Internetplakat Ausstellung Michaelimarkt

Zwar wurden in Schwabmünchen nachweislich schon vor mehr als 450 Jahren Märkte abgehalten, doch nach lokaler Überlieferung gilt das Jahr 1562 als Meilenstein in der Schwabmünchner Marktgeschichte. In diesem Jahr soll Kaiser Ferdinand I. das Marktrecht bestätigt haben.

Aus diesem Anlass warfen Museum der Stadt Schwabmünchen und das Stadtarchiv einen Blick auf die Geschichte des Schwabmünchner Michaeli-Jahrmarktes und zeichneten seine Entwicklung bis in die Gegenwart hinein nach.

Der Schwabmünchner Jahrmarkt zog über Hunderte von Jahren Händler an, die hier Waren zur Versorgung für den Winter verkauften. Er wurde um das Patroziniumsfest, stets am Wochenende vor Michaeli abgehalten. Die „klassischen“ Markttage waren dabei Sonntag und Montag. Heute beginnt das Marktgeschehen bereits am Donnerstagabend bzw. am Freitag und endet am Dienstag.

Schon im Jahre 1746 zählte der Jahrmarkt 145 Anbieter, die teils von weither kamen. Krämer waren auf den frühen Märkten vertreten, Seiler, Kürschner, Seifensieder, Hutmacher, Rotgerber, Tuchhändler, Strumpfhändler und Schuhmacher.

Aus der stattlichen Anzahl der Anbieter kann man ableiten, dass der Markt für Ort und Umland recht bedeutend gewesen sein muss. Die Marktbuden, die von der Gemeinde gestellt wurden, reihten sich an der Hauptstraße aneinander. Der Standpreis wurde jährlich neu festgelegt.

Heute werden an die Marktkaufleute rund 300 Plätze vergeben. Dies bedeutet, dass der Michaelimarkt sich über die Jahre vergrößerte, jedoch in überschaubaren Grenzen gehalten wurde.Karussell auf dem Schrannenplatz

 

Der Besuch des Jahrmarkts war auch schon früher ein „Event“, das nicht nur der Versorgung mit Gütern, sondern auch der Unterhaltung diente. Schaubuden und ein „Carousel“ sind schon für die Mitte des 19. Jahrhunderts belegt. Gaukler und Wandermusiker gab es sicher schon früher. Um die Wende zum 20. Jahrhundert kamen Panoptiken und Tierschauen dazu. Und auch Neuheiten auf dem Gebiet der Fahrgeschäfte.

1960 schließlich bekam der Michaelimarkt auf Initiative des Trachtenvereins ein Festzelt mit Bierausschank, Brotzeit, Blasmusik und Unterhaltungsprogramm.

 

Verlegungen der Budenstraße und des Schaustellerbereiches in den vergangenen 50 Jahren führten zu einer räumlichen Verdichtung, die dem Marktgeschehen sehr gut tat. Alles, was zum Markt gehört, liegt heute zentral und nah bei einander .

 

MitFestzelt 1960tlerweile dient der Michaelimarkt natürlich nicht mehr der Beschaffung von Waren, die man über das Jahr nur schwer bekommt. Er hat seine Funktion verändert. Die Budenstraße ist zur Flaniermeile geworden, auf der man Bekannte trifft und ein Schwätzchen hält. Gekauft wird auf dem Michaelimarkt auch heute noch – allerdings eher Dinge, deren Erwerb die Kauflaune diktiert und nicht der dringende Bedarf. Nach dem Gang über den Markt steht der Besuch des Vergnügungsparks an und dann geht es ins Festzelt.

Während viele Jahrmärkte längst aufgeben mussten, konnte sich der Schwabmünchner Michaelimarkt bis heute bestens behaupten. Das Geheimrezept dafür:

Er hat sich zum Volksfest gemausert ohne seine Identität zu verleugnen.

Es gelang, den Markt den Anforderungen der jeweiligen Zeit anzupassen und dabei doch seinen Charakter zu wahren. Wenn er es auch weiterhin schafft, mit Augenmaß dem Lauf der Zeit zu folgen, wird der Michaelimarkt zweifellos auch die nächsten 450 Jahre meistern.

Die Ausstellung „450 Jahre Michaelimarkt. Vom Jahrmarkt zum Volksfest“ erzählte aus Geschichte und Gegenwart des Marktes.

 

Michaelimarkt Ausstellung 1

 

 

 

Begleitend zur Ausstellung ist eine reich bebilderte Festschrift erschienen. Neben Kapiteln zur Marktgeschichte, zu Vergnügungspark und Festzelt enthält der Band ein Interview mit dem scheidenden Marktmeister Wolfgang Wewior und eines mit dem erfahrenen Schausteller Josef Eberhardt.

Abbildungen und Fotografien von gestern und heute vervollständigen den Band. Die Broschur ist für eine Schutzgebühr von 5 Euro in Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen zu den Öffnungszeiten erhältlich.

 

 

 

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