ANSICHTSSACHE

ein fotografischer Streifzug etwas anderer Art ( 29.03. 2009 bis 10. 05. 2009 )

Plakat Ansichtssache

 

 

 

 

 

 

 

„Ansichtssache" zeigte Arbeiten, die während eines von Lothar Zull geleiteten Wahlkurses am Leonhard-Wagner-Gymnasium Schwabmünchen entstanden.

 

Zu sehen waren Bilder von Sabine Bürgle, Franziska Erhart, Evelyn Häusser, Nikola Heidl, Bernadette Herker, Jana Klinger, Veronika Knaus, Sandra Magdanz, Anja Meyer, Janina Reiter und Andrea Schmid.

 

 

 

Auszug aus der Einführung durch die  Museumsleitung:

 

... So mancher Fotografie aus dieser Ausstellung gelingt es, die Magie des Mediums spüren zu lassen, die aus Flüchtigem Beständiges macht, die aus vermeintlich Beiläufigem Wesentliches seziert, die Selbstverständliches in Poetisches verwandelt: Aus der Abbildung ein Bild werden zu lassen, und dies nicht nur im ästhetischen Sinne.

Die Fotografie als Kunst des Augenblickes - in des Wortes beiderlei Bedeutung.

 

Die Bilder hier nehmen ihre Motive aus unserer vertrauten Lebenswelt, aus einer Welt, zu der wir alle Zutritt haben. Bilder einer Stadt, eines kleinstädtischen Lebensraumes, der geprägt ist von unserer Alltagskultur und Ästhetik.

Die Autorinnen stellen diesen Lebensraum weder als städtebauliches Mängelexemplar noch als idyllisches Kleinod dar.

Machbar gewesen wäre beides. Wir wissen ja um die Subjektivität des Objektivs. Durch den Sucher  - oder besser gesagt: das Display - erkunden sie unseren städtischen Lebensraum. Was sie dabei an Wissen um fotografische Techniken beweisen, ist enorm. 

 

Wir finden Architekturfotografie, die durch die Wahl des Lichteinfalls, des Blickwinkels und natürlich des Bildausschnittes imstande ist, das Wesen eines Baukörpers zu erfassen und wiederzugeben.

Wir finden Fotografien, die Architektur auf ihre geometrischen Grundformen zurückführen, oder grafische Details isolieren. 

Wir finden das Spiel mit Licht und Schatten - etwa im Abbild eines Schubkarren schiebenden Gartenzwerg-Engel-Elfchens und dessen Schatten an der Hauswand - oder in der Kombination schattenhaft wogenden Pampasgrases mit der grafisch strengen Gestaltung einer Hausfassade.

Wir begegnen Spiegelungen, ob in einer Glasscheibe oder im Wasser - wie beim Plakatmotiv, das auf verwirrende Weise den Kirchturm in einer Pfütze gespiegelt zeigt - und wir folgen dem Blick auf die vielfache Motivmultiplikation in der Architektur eines Reihenhauses.

Es gibt Bilder, die uns auf Palisaden, Mauern, Absperrungen prallen lassen. Ein eingesperrter Luftballon, dessen Höhenflug durch die Gitterstäbe eines Zaunes ebenso gebremst wird wie der Blick des Betrachters, der dort, wo er den Horizont sucht, voll auf die Wand einer Werkshalle knallt. Wir sehen diese Halle anderswo auch im Portrait, streng quergestreift vor bewegtem Himmel.

 

Foto Andrea SchmidOft direkt professionell: die Wahl des Lichteinfalls, ob Gegenlicht oder optimal genutztes natürliches „Spotlight". Die Aldi-Einkaufswagenparade, die sogar auf dem scharfen Licht- und Schatten Kontrast aufbaut, sei hier nur als ein Beispiel genannt.

 

Die Ausstellung zeigt unsere Stadt als umbauten, gebauten Raum. In dieser Stadtlandschaft gibt es Zeugen der Vergangenheit, teils dem Verfall fast schon preisgegeben. Doch daneben, der Natur mittels Vermessungstechnik und Reißbrett abgerungen - auch Architektur gewordene Aufbruchsstimmung. 

Und selbstverständlich sind da auch treffende Einblicke, Detailausschnitte, der Blick auf das Miteinander von Gegenständen und Situationen verschiedener oder gar entgegengesetzter Konnotation.

Sie werden Ihren Spaß haben an diesen fotografischen Anekdoten. Wenn sich zum Beispiel in der Kirche die Kerze bereits angstvoll zur Seite neigt - weg von der Bedrohung durch den nebenstehenden Heizstrahler. Oder wenn ein paar Engelchen ein wenig lust- und ratlos auf der Grabumrandung herumsitzen.

 

Sehen Sie sich die Schwabmünchen - by - night - Bilder an:  den weihnachtlichen Blick auf das NKD - Leuchtschild, ins Schaufenster von Tatoo - Piercing (wo auch der Weihnachtsmann sich pimpt). Das alles ist einfach gut gesehen und es macht Freude, sich diese Bilder anzuschauen.

Hier finden wir, was die große Qualität von Fotografie sein kann: etwas auf einen Blick zu vermitteln, das sprachlich auszudrücken viele Worte und zahlreiche fein gedrechselte Sätze bräuchte.

 

Ja, für einen gemütlichen Schwabmünchen-Dia-Abend taugen sie nicht, diese Bilder. Sie gehen auf Distanz zu ihrem Motiv - auf wohlwollende Distanz freilich, denn sie nehmen ihr Motiv ernst, gehen neue Wege in der Betrachtung ihrer Stadt. Was sich uns darbietet, ist ein fotografischer Streifzug der etwas anderen Art...

Foto Veronika Knaus

 

Sabine Sünwoldt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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