Es könnte alles so schön sein.

Bilder und Cartoons von Wolf-Rüdiger Marunde ( 20. 11. 2009 bis 07. 03. 2010 )

Plakat  Marunde - Es könnte alles so schön sein

 

 

Es könnte alles so schön sein...

 

... wenn – ja wenn es da nicht diese Mengen von Fallstricken gäbe auf dem Weg zu ungetrübtem Glück. Enttäuschungen, Missverständnisse und tiefes Missverstehen lauern überall auf diesem Weg und zuweilen mündet er auch schlicht im Scheitern.

Wenn sich bei der Begegnung von Erwartung und Realität zeigt, dass hier niemals Übereinstimmung erreicht werden wird, wenn die Konfrontation verschiedener Lebens- und Denkwelten damit einhergeht, dass die Beteiligten völlig aneinander vorbei fühlen, denken und reden, dann ist das eigentlich ein tragischer Vorgang. Wolf-Rüdiger Marunde beweist, dass dieser Vorgang aber auch sehr sehr komisch sein kann. Und er schafft es, dass wir auch dann noch herzlich lachen, wenn wir erkennen, dass eigentlich wir selbst es sind, über die wir lachen. Auf satirische, doch durchaus charmante und äußerst vergnügliche Weise macht die Ausstellung klar, dass der Mensch dem Leben eigentlich nicht gewachsen ist.

 

 

Enttäuschungen, Missgeschicke und verpasste Chancen – die Ausstellung führte  ganz außergewöhnliche, eindringliche Belege hierfür vor Augen.

Sie wagte jedoch auch Einblicke ins Private. Sie beobachtete diverse Partnerbeziehungen während ihrer ersten - und letzten - Stunden und präsentierte Schnappschüsse aus dem langjährigen Zusammenleben in guten wie in schlechten Zeiten.

 

Sie belegte weiterhin, dass menschliches Miteinander in gegenseitigem Verstehen generell eine Aufgabe ist, die uns schlicht überfordert. Das Alltagsleben auf dem Hühnerhof, dem Spiegel unserer  Gesellschaft, zeigt uns dies besonders deutlich. Hier wird gemobbt, ausgegrenzt, schikaniert, bespitzelt und Freundlichkeit findet nur dort Verwendung, wo es um den eigenen Vorteil geht.

 

 

Handeln Marunde - Na, hab ich euch zu viel versprochen? Um diese Zeit geht er immer pieseln - und seine Wumme lässt er oben...Tiere auf dem Hühnerhof meist fabelgleich als Stellvertreter bzw. Typisierungen menschlicher Eigenschaften und Verhaltensweisen, so kommt ihnen auf einem weiteren Schauplatz in der Ausstellung eine ganz andere Rolle zu.

 

Im Wald nämlich, in den der Mensch meist als Jäger im Bewusstsein seiner (vermeintlichen) Vormachtstellung eindringt, sind es die dort heimischen Tiere, die deutlich machen, wer die eigentlich überlegene Spezies ist. Seine Hybris lässt den Menschen ahnungslos in jede tierische Falle laufen. Der Jägerstand, das Symbol menschlicher (männlicher) Herrschaft über den Wald und seine Bewohner, wird dabei häufig zum Ort, an dem sich das Schicksal erfüllt.  Doch anders als vom jägerischen Akteur geplant, ist es eben nicht das Schicksal des Wildes. Was hier zur Strecke gebracht wird, ist eher des Jägers Selbstherrlichkeit.

Dass für menschliche  Überheblichkeit generell kein Anlass besteht, zeigt sich übrigens auch bei vielerlei Begegnungen zwischen Mensch und Tier außerhalb des Spannungsfeldes"Wald".

 

(Um den Text zu den Cartoons zu sehen, halten Sie bitte die Maus mit leicht gedrückter linker Maustaste über die Abbildungen)

 

 

Doch Marunde bleibt nicht im „allgemein Menschlichen“. Er nimmt auf sehr pointierte Weise auch Stellung zu hochaktuellen Fragen, mit denen wir uns in Zeiten von Internet, Gentechnik, Börsenwahn, sprechenden Backöfen, Klimawandel, jedoch auch von New Age, Morgentau-Meditation und Retrotherapie konfrontiert sehen.

 Marunde - Der Apfelbaum

Ein gesonderter Raum in der Ausstellung war dem Entstehungsprozess von Marundes Werken gewidmet. Hier präsentierten wir auch den Fotografen Wolf-Rüdiger Marunde, der seine Umwelt mit treffendem und doch poetischem Blick dokumentiert.

Auch Beispiele seiner hervorragenden Portraitkarikaturen und Illustrationen waren hier zu sehen.

 

Mit der Kombination aus traditioneller Maltechnik in Öl, Acryl oder Aquarell mit Computergrafik hat Wolf-Rüdiger Marunde seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Wenn er selbst sich auch nicht als Künstler bezeichnet – schon deshalb, weil er als Cartoonist im Dienste eines großen Printmediums innerhalb eng begrenzter Vorgaben zu arbeiten hat, die für die Arbeit eines freien Künstlers nicht in diesem Maß gelten, - sind seine Arbeiten weit mehr als bloße Illustrationen witziger Anekdoten. Marunde beherrscht virtuos den Einsatz seiner gestalterischen Mittel. Er versteht es, Stimmungen zu schaffen, die den Inhalt seiner Geschichten unterstützen, transportieren und emotional steigern. Doch darüber hinaus stellen seine Bilder in ihrem Detailreichtum und ihrer liebevollen Ausarbeitung Kunstwerke dar, die durchaus auch ohne beigefügten Text funktionieren würden.

 

Marunde ist ein Cartoonist, der mit viel Verantwortungsgefühl, Nachdenklichkeit und einem außergewöhnlichen Gefühl für den Charakter einer Situation und deren Hintergrund ans Werk geht. Er spitzt Situationen zu, doch er tut dies auf sehr intelligente Weise. Marunde illustriert keine Kalauer und gleitet nie ins „Humoristische“ ab. Und doch sind seine Cartoons nicht etwa nur für eine kleiner Gruppe Eingeweihter verständlich. Jeder kann sie „entziffern“ und jeder kann herzlich über sie lachen.

Marunde schafft es, in Medien, die von sehr vielen Menschen gelesen werden - im Fall der hör zu sind es 3 ½ Millionen Leserinnen und Leser, - erfolgreich zu sein, ohne sich beim Publikum anzubiedern und ins Harmlos-Unverbindliche abzugleiten. Das ist eine Leistung, die man nicht hoch genug einschätzen kann.

 

Wolf-Rüdiger Marunde

1954  geboren in Hamburg.

1972 – 1976 Studium an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung; Abschluss als Diplom-Designer.

Cartoons und Illustrationen für "Pardon" und  "MAD"

1976 – 1978 Zivildienst.

1981 Cartoons für den "Stern", später für "Brigitte; politische Illustrationen und Karikaturen für den "Stern"

1985 ein Feuer zerstört das Atelier und alle Arbeiten

1985 – 1995 ganzseitige Cartoonserien für "Brigitte":

Marundes Landleben (ab 1985)

Neues aus Schweinhausen (ab 1992)

1989 – 1994 mit D.Wischmeyer Buchausgaben des"Kleinen Tierfreund" und Arbeiten für das "SZ-Magazin"

1995 Wechsel als fester Cartoonist zu "hör zu"; seit 2003 nicht mehr exklusiv

1999 – 2000 Titel für die Krimireihe "Schwarze Hefte"

Wolf-Rüdiger Marunde ist einer der führenden Cartoonisten Deutschlands.

2002 erhielt er den Deutschen Karikaturenpreis.

Wolf-Rüdiger Marunde ist verheiratet und lebt mit seiner Familie auf einem Hof in Niedersachsen.

Veröffentlichungen

1987-90  Marundes Landleben Bd. I-III  und ein Sammelband

1991        Der kleine Tierfreund

1992        Die Rückkehr (mit Dietmar Wischmeyer)

1992        Neues aus Schweinhausen

1994        Schweinhausen privat 

1996        Hannover  Bilder aus der Heimat, ein Cartoonband

1999        Es hätte alles so schön sein können

2000        Sammelband der Schweinhausen-Bücher

2002        Land unter

2004        Landleben (eine Werkschau mit neuen und alten Cartoons)

2007        Expeditionen in die Provinz

Diverse Postkartenreihen, jährlich ein Wandkalender und ein Terminplaner

 

 Gentechnik


 

 

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