Ferienprogramm: Kinder nachts im Museum - eine Nachlese

Von Ausgrabungen, vom Restaurieren, vom römisch Kochen, einer Museumsralley, von Schwabmünchnern aus lämgst vergangenen Tagen und vom Versteckspielen und Schlafen im Museum

 

 

 

 

„Nachts im Museum" - so lautete das Motto, mit dem das Museum der Stadt Schwabmünchen und das Jugendrotkreuz Schwabmünchen in diesem Jahr zum Ferienprogramm der Stadt beitrugen.

 

 

 

Leider konnte nur ein kleiner Teil der fast 80 Kinder, die sich für die Veranstaltung angemeldet hatten, teilnehmen. Doch diejenigen, denen das Los die Teilnahme ermöglicht hatte, durften eine Nacht erleben, wie sie noch von keinem Museum geboten wurde.

Nach dem Einrichten des Matratzenlagers im großen Ausstellungsraum gab es zunächst einige Spiele, durch die sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen näher kennen lernten.

Danach ging es auf zu einer Museumsführung.

 

 

Der Römer erzählt von Rapis

Der Römer erzählt

 Die begann im Raum mit den Fundstücken aus dem römischen Töpferzentrum Rapis. Und da geschah etwas, das uns ahnen lässt, wie lebendig es nachts im Museum zugeht: ein kleiner Römer begrüßte uns und erzählte vom Leben und Arbeiten im Töpferdorf.

Er erklärte, wie man dort wohnte, wer alles an der Keramikproduktion beteiligt war, welche Produkte hergestellt wurden und wohin geliefert wurde.

 

 

 

 

 

 beim Erkunden eines monumentalen Hüftknochens

 

Was so alles bei archäologischen Grabungen zutage gefördert wird, konnten die Kinder anhand einer originalen Kiste mit Inhalt sehen: die enthielt Objekte vom Steinzeitbeil bis zur Scherbe aus der Zeit um 1900. Knochen waren auch in der Kiste, doch viel ältere Knochen gab es in einem anderen Raum zu sehen: den versteinerten Stoßzahn eines Dinotheriums und einen riesigen Hüftknochen. Beides durften die Kinder berühren. Ein seltsames Gefühl, einen so alten Knochen zu „streicheln"!

 

 

 

 Die Grabungsstätte

Nach so viel Beschäftigung mit archäologischen Fundstücken wurden die Kinder nun selbst zu Archäologen. Jedes zog eine von vierzehn Scherben; alle Scherben waren unterschiedlich gemustert und jede war Teil einer Schale aus Ton. Nun galt es, in der „Grabungsstätte" (vielen Dank an den städtischen Bauhof!) die restlichen Scherben zu finden. Das war gar nicht so einfach und erforderte jede Menge Geduld und Spürsinn. Dennoch gruben die Jung-Archäologen munter so lange, bis alle Scherben geborgen waren.

 

 

 

 

 

Restauratoren am WerkNun ging es zum „Restauratoren-Workshop". Die Fundstücke mussten zunächst mit Bürste und Pinsel gesäubert werden. Danach konnten sich die Restauratoren an das Zusammensetzen und Verkleben der Bruchstücke machen.

Auch wenn mancher feststellte, dass er wahrscheinlich keine Ausbildung zum Restaurator machen wird, waren die Kinder mit Spaß und Konzentration bei der Sache. Schließlich hatten tatsächlich alle ihre Schalen zusammengesetzt und verklebt. Und natürlich konnte man sich die Werkstücke, die tatsächlich fast wie „richtige" Funde aussahen, am nächsten Tag mit heim nehmen.

restaurierte Schalen

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt war der Hunger aber groß und so begann das große Schnippeln und Rühren. Zu römischen Traubensaft-Brötchen bereiteten wir eine römische Paste aus Schafskäse, Lauchzwiebeln und Oliven. Außerdem gab es Grillfleisch, Würste, selbstgemachten Kräuterquark, Kartoffeln und Obst.

 

Nachdem ausgiebig getafelt worden war, ging die Museumführung weiter.

Und wieder wurde eine Gestalt aus der Schwabmünchner Geschichte lebendig: die Käsefabrikantenwitwe Katharina Brutscher saß da plötzlich auf einem der Biedermeierstühle, die sie einst dem Museum vermacht hatte, und blätterte in einem alten Postkartenalbum. Bereitwillig erzählte sie den nächtlichen Besuchern von ihrer hochmodernen Villa (heute Ihr Platz), die sie uns auf etlichen Postkarten abgebildet zeigte. Sie berichtete aus ihrem Leben und von Schwabmünchen, wie es um das Jahr 1900 aussah - und welche Gerüche so damals in der Hauptstraße herrschten.Katharina Brutscher berichtet

Katharina Brutscher mit Kindern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaum hatten wir uns in die luxuriöse Welt der Käthe Brutscher eingelebt, als in der Bauernstube das Spinnrad zu surren begann.  Die Strickerfamilie

Eine Kleinbauernfamilie bevölkerte den Raum: Eltern, vier Töchter, ein Sohn und ein Baby in der Wiege. Fast alle Familienmitglieder waren damit beschäftigt, Baumwolle zu säubern, zu kardieren, zu verspinnen und Socken zu stricken. Nur eine Tochter war nicht in die Sockenproduktion einbezogen; sie kümmerte sich um das Baby.

Die Schwabmünchner Stricker! Wir waren nun im 18. Jahrhundert. Aus der Unterhaltung, die die Familie führte, erfuhren wir von der Armut dieser Leute, vom Verlegerwesen, von der Qualität der Schwabmünchner Socken, die auf der Augsburger Industrieausstellung sogar eine Goldmedaille erhielten. Wir erfuhren aber auch davon, wie schwer es war, drei heiratsfähige Töchter „unter die Haube" zu bringen. Wir erfuhren davon, dass ein zwölfjähriges Mädchen eigentlich schon längst bei einer Herrschaft in Lohn und Brot sein sollte. Und wir erfuhren, was mit einem Buben geschah, der aus lauter Hunger vom Schweinefutter naschte...

Die Strickerkinder

Die Eltern mit zwei Töchtern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So viel lebendig gewordene Geschichte verlangt nach körperlicher Stärkung. Gegrillte Bananen mit Schokolade waren da genau das Richtige.

 

Nachdem alle wieder frisch und erholt waren, gab es nun für Hirn und Beine etwas zu tun. Es wurden 7 Gruppen zu je zwei Teilnehmern gebildet. Jede Gruppe erhielt einen ersten schriftlichen Hinweis mit einer Aufgabe und einem verschlüsselten Tipp, wo das nächste Rätsel und der nächste Hinweis zu finden sei. Insgesamt fünf solcher Hinweise hatte jede Gruppe zu finden. Der Weg führte sie dabei durch das ganze Museum. In jede Ecke, hinter jede Tür durfte gesehen werden und sogar die Ausstellungsstücke durfte man - soweit dies möglich ist - öffnen.

Trotz recht vorgerückter Stunde waren die Kinder mit Feuereifer dabei und leisteten großartige Detektivarbeit. Musuemsrallye4

Museumsrallye3

Museumsrallye2Museumsrallye1

 

 Endlich im Schlafsack

 

Mittlerweile war Mitternacht zwar längst vorbei, doch von Müdigkeit war nur bei den Erwachsenen etwa zu spüren. Also wurden noch drei Runden Verstecken im Museum drangehängt.

Danach Zähne putzen und ab in den Schlafsack. Ein Spiel noch mit dem JRK und dann kam der Schlaf wohl bei Kissenberührung.

 

 

 

 

Am nächsten Morgen, nach Butterbrezen und Kakao, war ein gutes Dutzend Kinder um einen Rallyepreis, eine „antike" restaurierte Schale und um einige Erfahrungen reicher, z.B. was nachts im Museum so alles los sein kann - und dass ein Museum der perfekte Ort ist zum Versteckenspielen...

 

 

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