Was der Weihnachtsmann alles kann. Eine nicht ganz ernst gemeinte Werkschau

( 27.11.2011 bis 05.02.2012 )

Das alles kann der Weihnachtsmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie der ironische Titel schon sagte, handelte es sich hier keineswegs um eine "Weihnachtsausstellung" im üblichen Sinn. Es handelte sich nicht einmal um eine "Weihnachtsmannausstellung".

 

Natürlich erläuterte die Ausstellung die Wurzeln des Weihnachtsmannes. Die hat er nämlich in der Reformation. Die Protestanten sollten sich nicht mehr vom Heiligen Nikolaus der Katholiken beschenken lassen, der bisher zu seinem Namenstag Gechenke für Kinder hinterlegt hatte.
Der Schenktermin wurde auf den heutigen Weihnachtstermin verlegt und zwei andere Figuren als protestantische "Ersatzleute" für den Nikolaus ins Leben gerufen: das Christkind und der Weihnachtsmann.

 

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Das berührte allerdings den Nikolausbrauch auf lange Frist gesehen kaum. Heute gibt es in den meisten katholischen und protestantischen Häusern zwei Schenktermine und mindestens zwei Gabenbringer: den Heiligen Nikolaus am 5./6. Dezember und den Heiligen Abend, an dem entweder das Christkind oder der Weihnachtsmann oder eben beide die Geschenke unter den Baum legen.

Doch wie sieht der Weihnachtsmann denn nun aus? Die Ausstellung brachte viele Beispiele aus der Druckgrafik der Postkartenherstellung seit der Wende zum 20. Jahrhundert. Karten aus Deutschland, den USA, Frankreich, Russland und Großbritannien belegten, dass der Weihnachtsmann früher viele Gesichter - und "Outfits" - hatte.

Sein Erscheinungsbild der Gegenwart wurde in den 1930er Jahren von Coca Cola aus der Vielfalt der Weihnachtsmann-Darstellungen gegriffen und in riesigen Kampagnien weltweit "vermarktet".

 

Weihnachtsmann4

 

 

 

Heute gibt es fast keine andere Vorstellung vom Weihnachtsmann mehr als die von Coca Cola popularisierte. Der einst ehrwürdige Gabenbringer droht zum Hampelmann zu verkommen.
Darauf warf die Ausstellung ihr kritisches Auge.

 

 

 

 

 

 

Schon lange vor Weihnachten begleitet uns der rotweiße Kindgreis durch den Alltag. In pelzverbrämten Vitrinen mit pelzverbrämten Texten dokumentierte das die Ausstellung anhand einer Anzahl "weihnachtsmännlicher" Objekte, die im örtlichen Einzelhandel und bei deutschen Versandhäusern erhältlich sind und die immer mehr zur "ganz normalen" vorweihnachtlichen Ausstattung gehören. Vom gebläsebetriebenen Gummimann, der immer wieder in einen Kamin abtaucht und wieder hochkommt über den Weihnachtsmann-Teppich bis zur WM-Marionette.


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Die Ausstellung wollte bei allem Spaß, den die Objekte bereiten, zum Nachdenken anregen darüber, wie weit wir dieser kommerzialisierten Weihnachtsmann-Figur erlauben, in unsere ganz private Umgebung einzudringen und Weihnachten so auch unseren Kindern vor allem als Fest der Niedlichkeiten und der Dekoration zu vermitteln.

 

 

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Besonderen Wert legte die Ausstellung darüber hinaus auf die Betonung des Unterschieds zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus.

 

 

 

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