WeihnachtsBudenZauber

aus dem Museumsdepot und aus der Sammlung Theresia Nagler ( 10. 12. 2006 bis 28. 01. 2007 )

Plakat - WeihnachtsBudenZauber
 

Die Ausstellung präsentierte Miniaturweihnachtsmärkte und -weihnachtsmarktbuden sowie von innen beleuchtbare Kirchen und Häuschen aus der Zeit von 1910 bis heute. Sie zeigte, wie das Thema "Weihnachtsmarkt" im Repertoire von Werbung und Design Fuß fasst und als Motiv auch in die Spielzeugherstellung des Erzgebirges Einzug hält.

Zu sehen waren Stücke aus der Sammlung Theresia Nagler, Unterschneidheim, sowie aus den Sammlungen des Museums.

 

Begleitend zum Ausstellungsbesuch konnten große und kleine Besucherinnen und Besucher an einer "Engelsrallye" teilnehmen, die spielerisch durch das ganze Museum führte.

 

 

 

 

Zur Ausstellung:

 

Vorweihnachtliche Märkte sind an vielen Orten in Deutschland Eingangsbereich der Ausstellungschon zu mittelalterlichen Zeiten abgehalten worden. Sie gaben Gelegenheit, sich mit dem zu versorgen, was man über den Winter brauchte, bevor die Wege schwer passierbar wurden.

Aus diesen Märkten entwickelten sich vielerorts im Laufe der Zeit die „typischen" Weihnachtsmärkte mit einem auf das Fest ausgerichteten Warenangebot, wie wir sie heute kennen.

Manche Märkte waren zunächst nur einer Zunft vorbehalten oder auf bestimmte Produkte spezialisiert. Ein Beispiel hierfür ist der Dresdner Striezelmarkt. Er ging aus einem eintägigen Fleischmarkt hervor.

Der Augsburger Christkindlesmarkt (Ersterwähnung im Jahr 1498) wurde zunächst von nur einer Zunft ausgerichtet: den Lebzeltern.

Die gehaltvollen Lebkuchen waren schon im Mittelalter sehr beliebt und spielten, kunstvoll verziert, als Weihnachtsgebäck eine zunehmend große Rolle. Seit dem 14. Jahrhundert hatten die Lebzelter ihre eigene Zunft. Meist waren sie zugleich Wachszieher. Da Lebkuchenteig viel Honig benötigt, hielten sie sich eigene Bienenvölker, die diesen Honig lieferten. Aus dem Bienenwachs wurden Kerzen und Wachsmodeln hergestellt.  All diese Waren - Lebkuchen und Wachsprodukte - wurden auf dem Markt angeboten. Im 17. Jahrhundert erweiterten Krippen aus Italien die Produktpalette. Ein „klassischer" Weihnachtsmarkt war geboren.

Auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, der seit dem 17. Jahrhundert schriftlich belegt ist, boten im 18. Jahrhundert fast alle Nürnberger Handwerker ihre Produkte an. Im Jahr 1737 besaßen 140 Nürnberger Handwerker die Marktzulassung. Damit war dieser Markt eine riesige Verkaufsmesse des örtlichen Handwerks.

Mit der Industrialisierung und der Veränderung der Vertriebswege verloren im 19. Jahrhundert viele Weihnachtsmärkte an Bedeutung.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts jedoch wurden zahlreiche Märkte wieder belebt oder gar ins Leben gerufen.

Auch der Schwabmünchner Hoigarta (1983) ist ein Kind dieser Zeit.

 

 

 

Hubrich - Weihnachtsmarkt - 2006Im 19. Jahrhundert veränderte sich die „Weihnachtsmarkt - Landschaft". Märkte, die zuvor oft die einzige Möglichkeit boten,  bestimmte Waren bequem zu erwerben, verloren an Bedeutung. Neue Transportmöglichkeiten sorgten dafür, dass man auch „am Ort" die gewünschten Produkte kaufen konnte.

Die Weihnachtsmärkte reagierten mit verstärkter Spezialisierung auf das Weihnachtsfest. Geschenkartikel - hier vor allem Kinderspielzeug - und Saisonware wie Baumschmuck, Krippenzubehör etc. traten in den Vordergrund.

Der Weihnachtsmarkt gab sich selbst als „Weihnachtsort" und wurde auch so vermittelt: als Ort zum Staunen, Ort kindlicher Sehnsüchte und glänzender Kinderaugen.  Die Romantisierung des Weihnachtsmarktes lässt sich an der populären Druckgrafik, die ihre Verbreitung in den neuen Massen - Druckmedien fand, gut nachvollziehen und auch der Bildpostkarte lieferte - und liefert - der Weihnachtsmarkt Motive.

Produkt- und Werbedesigner haben längst den Weihnachtsmarkt entdeckt und auf Telefonkarten ist er ebenso vertreten wie in der Motivpalette von Papierservietten.

Man trifft ihn in der Welt der Modelleisenbahnen, der Bastelvorlagen für Fensterbilder und nicht zuletzt der Adventskalender.

 

Und nun hat der  „Weihnachtsmarkt" auch in die erzgebirgische Spielzeugproduktion Einlass gefunden, in deren „klassischem" und traditionellen Motivkanon er nicht vertreten war.

Die Ästhetik erzgebirgischer Arbeiten prägte weitgehend das Bild des Weihnachtsfestes und Weihnachtsbrauchtums in Deutschland. Die Hubrig Volkskunst GmbH, Zschorlau, ist eine marktführende Vertreterin erzgebirgischer Holzminiaturen der Gegenwart. Ihr „Weihnachtsmarkt" (Holz, bemalt und bedruckt, 2006) verknüpft die Ästhetik der „deutschen Waldweihnacht" mit dem neuen Festelement der Vorweihnachtszeit, dem Weihnachtsmarktbesuch.

Anlehnung an die Tradition der Spielzeugherstellung im Erzgebirge nimmt auch die Firma Käthe Wohlfahrt mit ihrer Serie „Schöne Winterzeit".Käthe Wohlfahrt - Winterzeit - 2006

Diese Anlehnung betrifft jedoch nur die Art der Figurenbemalung, denn das Thema „Weihnachtsmarkt" ist ja im traditionellen erzgebirgischen Motivrepertoire nicht vertreten.

Die Firma hat im Weihnachtsartikelbereich eine vernehmbare Stimme. Mit ihren Produktlinien gibt sie oftmals Richtungen vor, die später von anderen Herstellern ebenfalls eingeschlagen werden. Wenn der „Trendsetter" das Thema „Weihnachtsmarkt" in sein Angebot aufnimmt, reagiert er damit einerseits auf eine Entwicklung in der Weihnachts-Festkultur, in der sich der Besuch eines Weihnachtsmarktes immer mehr als „Muss" etabliert. Andererseits hilft sie damit, den Besuch eines Weihnachtsmarktes als Festelement auch tatsächlich zu etablieren.

 

 

 

Von innen erleuchtete Kirchen und Häuschen aus er Sammlung Nagler

 

Die Ausstellung „WeihnachtsBudenZauber" beschränkte sich  nicht auf Marktbuden im Miniaturformat. Sie weitete den Begriff ein wenig aus und konnte auf diese Weise auch die  erleuchteten Weihnachtshäuser und -kirchen aus der Sammlung Theresia Nagler präsentieren, die vor allem im Weihnachtsbrauchtum des Erzgebirges während der Vorweihnachtszeit ins Fenster gestellt wurden.

Es handelte sich dabei sowohl um gewerblich gearbeitete Objekte als auch Bastelarbeiten.

Das älteste Stück in der Ausstellung datierte aus 1910: eine von innen beleuchtbare Kirche mit bunten Fensterscheiben aus Gelatine.Kirche - Bastelarbeit mit Gelatinescheiben - 1910 - Sammlung Theresia Nagler

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