Gegen die Kultur des Wegsehens 01.06.2017

Rettungsmedaille 2017

Schwabmünchen


Gegen die Kultur des Wegsehens


Die Ehrung von Stefan Hieber und Fabian Missenhardt für ihre lebensrettende Tat sowie Ausführungen der Polizei auch zum Schultunnel stehen im Mittelpunkt der Sitzung. Von Uwe Bolten

 

„Es gibt nichts Schöneres, als Menschen aus Lebensgefahr zu retten. Dazu gehört nicht nur Sachkenntnis, sondern auch viel Mut!“, sagte Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller zu Beginn der jüngsten Stadtratssitzung. Er ehrte im Namen der Stadt Stefan Hieber und Fabian Missenhardt, die Mitte Juni 2016 einen Mann und seinen Hund aus der einer Wasserwalze gerettet haben. Dafür verlieh ihnen jüngst Ministerpräsident Horst Seehofer die Bayerische Rettungsmedaille.
Die beiden Männer, beide aktive Feuerwehrmänner in Schwabmünchen, erhielten vom Bürgermeister, unter heftigem Applaus der Stadträte, ein zusätzliches Geschenk der Stadt. „Durch ihr vorbildhaftes Verhalten, gestützt auf den guten Ausbildungsstand durch unsere Feuerwehr, haben sie ein deutliches Zeichen gegen die Kultur des Wegsehens gesetzt. Dies verdient uneingeschränkte Anerkennung“, fügte Müller hinzu.

 

Die Polizei lebt von Hinweisen aus der Bevölkerung
Nach einem Jahr im Amt stellte sich Gernot Hasmüller, Leiter der Polizeiinspektion Schwabmünchen, dem Stadtrat vor und nutzte die Gelegenheit, Schwerpunkte seiner polizeilichen Arbeit darzulegen sowie zu aktuellen Vorgängen Stellung zu nehmen. „Wir leben von Hinweisen. Falls jemand etwas Ungewöhnliches beobachtet oder hört, was auf eine Straftat hinweist: Sofort anrufen und den Sachverhalt melden!“, so seine unmissverständliche Aufforderung. Knapp Dreiviertel aller Straftaten könnten derzeit aufgeklärt werden. Bei mehr Hinweisen sei diese Anzahl noch steigerungsfähig, sagte Hasmüller weiter.
Dabei kämen Beobachtungen zu Personen, Fahrzeugen sowie deren Kennzeichen eine besondere Bedeutung zu. „Insbesondere bei den Ermittlungen zu Einbrüchen sind diese Merkmale von großer Wichtigkeit“, begründete der Polizist und drückte die Hoffnung aus, die Täter der ungeklärten Einbruchsserien fassen zu können. Derzeitig sei es bei den Einbrechern üblich, kein Werkzeug mitzubringen, sondern Gegenstände am Haus, wohl mithilfe von Steinschleudern, durch die Scheibe zu schießen, um dann die Türen am Griff zu öffnen.


Bekämpfung der Drogenkriminalität ist ein wichtiger Punkt
Ein weiterer Schwerpunkt der Polizeiarbeit in der Stadt liege in der Bekämpfung der Drogenkriminalität, die nach dem aktuellen Sicherheitsbericht deutlich zugenommen hat. „Die Drogen, die heute auf dem illegalen Markt Verbreitung finden, haben nicht mehr mit den Stoffen der 68er-Zeit zu tun“, gibt Hasmüller zu bedenken. Die Wirkung der heutigen Stoffe liege um das zehnfache höher als bei Crack, ergänzte er. Ausführlich erläuterte er weiter Problematiken mit dem Schulzentrum und warb wie beim Besuch des Landrates auch im Stadtrat um die Einrichtung einer Gebäudefunkanlage. Diese ermögliche die Kommunikation bei Einsätzen im Gebäude und in den Tunneln.


Die von Elternbeiräten und Lehrern geforderte Videoüberwachung des Zugangstunnels vom Breitweg zum Schulgelände betrachtet Hasmüller skeptisch. „In eineinhalb Jahren haben wir zehn Meldungen erhalten, die einen Polizeieinsatz begründeten. Davon handelte es sich bei nur bei vier Einsätzen um Straftaten, die in unsere Zuständigkeit fallen“, legte er dar. Nach derzeitiger Rechtslage reiche die Anzahl und Schwere der Delikte nicht aus, um damit eine Videoüberwachung oder eine verstärkte polizeiliche Überwachung zu begründen. Auch hier appellierte er an die Bürger, Lehrer und Schüler, Beobachtungen sofort an die Polizei zu melden. Den von einigen Elternbeiräten bezeichneten „unzumutbaren Zuständen“ konnte er im Vergleich mit dem Oberhauser Bahnhof nicht beipflichten.


Zur häufig diskutierten Sicherheitswacht beschäftige sich derzeit eine Arbeitsgruppe der Polizei. Die Ergebnisse würden nach Vorliegen mit Bürgermeister und Stadtrat erörtert werden. Problematisch seien jedoch die fehlenden Freiwilligen, wie es beispielsweise in Mering der Fall sei, erläuterte Hasmüller. Bürgermeister Müller befürwortete die Einrichtung, eine Zusammenarbeit mit Lechfeldgemeinden sah er auch für möglich.

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