Glück nach dramatischen Minuten 24.05.2017

Rettermedaille

Bei normalen Verhältnissen ist das Teilungswehr an der Singold relativ harmlos. Doch vor einem Jahr wäre Hund Jasper und sein Herrchen Sven beinahe vor den Augen der Tochter Melissa ertrunken. Nur dank der Hilfe von drei mutigen Rettern konnte Schlimmeres verhindert werden.

Schwabmünchen

Glück nach dramatischen Minuten

Wie in Schwabmünchen ein Ertrinkender ans Ufer kommt und ein Polizist aus Bobingen einem anderen Menschen das Leben rettet. Von Christian Kruppe

 

Sanft fließt die Feldgieß im Schwabmünchner Süden in Richtung Wertach. Am Wehr, wo das Wasser von der Singold abzweigt, ist es normalerweise bestenfalls knietief und eigentlich ziemlich harmlos. Doch vor einem guten Jahr war die Lage anders. Tagelange Regenfälle haben das Rinnsal zu einem schnellen Strom anschwellen lassen. Doch diese Gefahr kannte „Jasper“, der Hund der Familie Müller nicht. Zusammen mit seinem Herrchen Sven und dessen Tochter Melissa drehten sie die gewohnte Runde entlang der Singold. Kurz vor dem Teilungswehr sprang „Jasper“ überraschend ins Wasser. Sofort riss ihn die starke Strömung in Richtung Feldgieß mit. Der Hund ging unter, denn direkt nach dem Wehr bildet bei Hochwasser eine tückische Wasserwalze.

Sven Müller sprang sofort hinterher, um den Familienhund zu retten. Doch die Gewalt des Wassers war zu groß für ihn. Auch der 39-jährige Soldat konnte sich nicht über Wasser halten – obwohl er viele Jahre als Rettungsschwimmer bei der Wasserwacht war.

 

Retter reagieren auf Rufe

 

Doch Sven Müller hatte Glück im Unglück. Nur wenige Meter weiter an der Singold hörte der Langerringer Werner Lehle beim Angeln die Hilferufe von Müllers Tochter Melissa. Sofort eilte er zur Unglücksstelle und versuchte zu helfen. Zeitgleich wurden Fabian Missenhardt und Stefan Hieber, die sich an der naheliegenden Badstraße befanden auf das hektische Treiben am Flussufer aufmerksam. Die beiden Feuerwehrmänner eilten ebenfalls zum Wehr.

„Es ging alles unglaublich schnell“, erinnert sich die 13-jährige Melissa. Zuerst war ihr Hund, dann ihr Vater unter Wasser. „Aber zum Glück waren die Helfer da.“ Die drei Retter wussten sich schnell zu helfen. Sie bildeten eine Kette und zogen den inzwischen bewusstlosen Familienvater aus dem Wasser. Seine Frau Sandra ist der Ansicht, dass es zum Glück gehörte, das ihr Gatte bewusstlos wurde. „Daher kämpfte er nicht mehr gegen das Wasser an und wurde aus der Walze gespült und die Drei konnten meinen Mann herausziehen“, erzählt sie.

Sandra Müller war nur wenige Minuten nach dem Unfall vor Ort. Tochter Melissa hat sie angerufen. „Sie hat nur gesagt, der Papa und Jasper seien im Wasser gewesen und wurden rausgeholt und dass sie nun in der Wiese liegen“, erinnert sich Sandra Müller. „Ich war so geschockt und hatte gar nicht die Idee, dass ich das Auto hätte nehmen können“, erzählt sie. Es waren fürchterliche Minuten für sie. „Ich dachte nur „Bitte, bitte lass nichts Schlimmes passiert sein“. Und dann sehe ich Sven leblos daliegen“, berichtet sie. Auf den letzten Metern kam ihr einer der inzwischen eingetroffenen Sanitäter entgegen: „Er sagte: Keine Angst, dein Mann atmet.“

Am heutigen Mittwoch bekommen die drei Retter in München die Bayerische Rettungsmedaille überreicht (siehe auch Bayern-Teil). Dass sie diese verdient haben, davon ist die Familie Müller überzeugt. „Wir sind den Dreien unglaublich dankbar für das, was sie getan haben“, sagt Sandra Müller.

Den Weg entlang von Singold und Feldgieß gehen sie immer noch. Furcht ist keine geblieben. „Nur bei Hochwasser nehmen wir Jasper an diesem Stück an die Leine“, sagt Sandra Müller.

 

Einsatz auf dem Oktoberfest

Und noch einen Retter aus dem Augsburger Land wird Ministerpräsident Seehofer heute in München mit der Bayerischen Rettungsmedaille auszeichnen: den Polizeibeamten Torsten Hiljanen aus Bobingen.

Beim Oktoberfest 2013 war dieser mit fünf Kollegen als „Wiesn-Einsatzgruppe“ in München eingesetzt. Sie sahen, wie ein Mann einem anderen Wiesnbesucher ein Weißbierglas ins Gesicht schlug, wodurch die Halsschlagader des Opfers vom Glas durchtrennt wurde. In diesem Tumult verhinderte Torsten Hiljanen durch schnelles entschiedenes Handeln ein Verbluten des Opfers. Ein weiterer Kollege assistierte ihm mit Erste-Hilfe-Maßnahmen, bis der Notarzt eintraf

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