Großeinsatz im Schwabmünchner Seniorenheim 10.09.2017

Feuerwehrübung Altenheim Hoher Weg 09.09.2017

Schwabmünchen

Großeinsatz im Schwabmünchner Seniorenheim

In Schwabmünchen stellt ein ganz besonderes Szenario die Rettungskräfte vor eine große Herausforderung

Von Uwe Bolten

 

 

Es ist ein trüber Tag. Leichter Regen führt dazu, dass die Bewohner des Seniorenwohnheims den frühen Nachmittag eher in ihren Zimmern als im Park verbringen. Doch plöttzlich schrillt ein Rauchmelder. Weitere Signalgeber reagieren. Die Meldungen laufen in der Feuerwehrzentrale ein. Wir gehen von einem Brand im Seniorenwohnheim aus, der im ersten Stock ausgebrochen ist, erläutert Stefan Missenhardt, stellvertretender Feuerwehrkommandant von Schwabmünchen. Durch ein offenes Fenster sei schon jemand herausgesprungen, das Feuer breite sich bereits im zweiten Stock aus. Mit Blaulicht und Martinshorn treffen die Einsatzfahrzeuge am Einsatzort ein. Ungefähr 30 Schwabmünchner verfolgen die Anfahrt von der gegenüberliegenden Straßenseite unter ihren Regenschirmen.

Die Übung beginnt. Zuvor hat die Unfalldarstellung der Jugendfeuerwehr Langenneufnach 19 Personen, alles Mitglieder der Jugendfeuerwehren, realitätsnah geschminkt. Weitere Opfer, die im Feuer gestorben sind, werden durch Puppen mit realistischem Körpergewicht dargestellt. Diese intensive Vorbereitung ist sehr wichtig, da neben den beteiligten Feuerwehren auch der Rettungsdienst mit Einsatzleitung und Schneller Einsatzgruppe (SEG) in das Szenario eingebunden ist, um die gemeinsamen Abläufe, wie die Übergabe der Patienten, zu üben. Alle Kräfte wissen nicht, was auf sie zukommt.

 

 

Zugführer der Feuerwehr verschafft sich einen Überblick

 

Die Verletztenanzahl und die einzelnen Szenarien sind, wie im richtigen Leben, den Einsatzkräften nicht bekannt, erläutert Missenhardt. Der Zugführer der Feuerwehr verschafft sich einen Überblick über die Lage und fordert Verstärkungskräfte an. Zeitversetzt werden neben der Feuerwehr Schwabmünchen mit den Wehren der Ortsteile auch Kräfte aus Langerringen und Hiltenfingen in die Übung eingebunden sein. Rettungsdienst und Notarzt treffen ein. Weitere Kräfte folgen. Dann geht es Schlag auf Schlag. Die Drehleiter wird in Position gefahren und beginnt mit der Menschenrettung. Angriffstrupps mit Atemschutz betreten unter Eigensicherung das Gebäude von zwei Seiten, bekämpfen den Brandherd, weitere Trupps beginnen mit der Personensuche.

Jedes durchsuchte Zimmer wird mit einem großen Kreuz markiert. Das schnaubende Atemgeräusch der Atemschutzträger erfüllt die Flure. Ein Zimmer wird geöffnet. Dort liegt ein Mann bewusstlos auf dem Boden. Zwei Wehrmänner überprüfen die lebenswichtigen Funktionen und tragen den Verletzten aus dem Zimmer. Es ist eng, in den Fluren herrscht Hochbetrieb. Das Schnaufen aus den Atemschutzgeräten wird schneller. Doch die größte Herausforderung kommt erst noch.

 

Körperliche Höchstleistung in dem engen Treppenhaus

Man befindet sich im zweiten Obergeschoss, und der 90 Kilogramm schwere Mann muss durch das Treppenhaus nach unten getragen werden. Diese körperliche Höchstleistung vollbringen die Atemschutzträger in dem engen Treppenhaus mit Bravour. Gehfähige Personen werden mithilfe von Steckleiter oder Drehleiter durch die Fenster gerettet. Auf dem Hohen Weg ist eine Verletztensammelstelle eingerichtet worden. Mediziner und Rettungskräfte schauen sich jeden Patienten an und legen fest, in welcher Reihenfolge die Verletzten behandelt werden müssen. Es gibt auch Opfer zu beklagen. Sechs Personen, dargestellt durch Puppen, haben das Feuer nicht überlebt.

Diese Personen werden dann polizeilich behandelt. Auch deshalb ist Schwabmünchens Polizeichef Gernot Hasmüller vor Ort. Insbesondere das Freihalten der Fahrwege und die Schaffung ungehinderter Arbeitsmöglichkeiten für die Einsatzkräfte ist unsere Aufgabe, sagt er. Dann zupft ihn der Leitende Notarzt zur Seite und teilt den Polizeichef kurzerhand zur Bewachung der Gestorbenen in diesem Szenario ein.

 

Beim Rettungsdienst herrscht noch Hochbetrieb

Während es in der Einsatzleitung der Feuerwehr langsam ruhiger wird, herrscht beim Rettungsdienst noch Hochbetrieb. Wir organisieren jetzt in Verbindung mit der Integrierten Leitstelle (ILS) in Augsburg die Klinikplätze fürr die Patienten. Dann können wir mit dem zügigen Abtransport beginnen, war der knappe Kommentar der Leitungskräfte vor der Lagekarte. Feuerwehr-Einsatzleiter Hubert Prechtl, Kommandant der Schwabmünchner Feuerwehr, beginnt mit der Zusammenfassung der Übung. Wichtig ist, die gesamten Vorgänge jetzt noch einmal zu beleuchten. Aus Erkenntnissen und Fehlern können wir alle nur lernen. Schließlich sei das Zusammenspiel der technischen und medizinischen Rettung bei Großschadensereignissen wichtig. So könne man durch die Erkenntnisse auch das Vorgehen, beispielsweise bei Unglücken auf Veranstaltungen wie dem Michaeli-Markt, optimieren, schloss Prechtl seine Betrachtungen.

 

 

 

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