Klimmach - Buch „Landkreis Schwabmünchen“ (2. Auflage 1975)

Deckblatt - Buch "Landkreis Schwabmünchen"

In dem Buch "Landkreis Schwabmünchen" (2. Auflage 1975), Herausgeber Landkreis Augsburg, finden sich folgende Informationen über Klimmach:

 

• Ort

 

1482 übergab der Augsburger Archidiakon und Generalvikar Gossolt dem von ihm an der St.-Michaels- und St.-Georgs-Kapelle seines Domherrenhofes gestifteten Benefizium 1 Hof und 1 Sölde in Klimmach. Diesen Besitz vergrößerte das Domkapitel bis zur Säkularisation auf 11 Anwesen. Auch die Herrschaft Schwabegg war hier später, jedoch nicht vor 1550, etwas begütert. Sie war Eigentümerin der Wirtschaft, in der Bier gebraut wurde. Der Bau war notwendig geworden, weil wegen der 1554 durch den Ritter Hans von Rechberg in die Pfarrkirche gestifteten Kreuzpartikel ein starker Zustrom von Wallfahrern einsetzte. 1708 zählte das kleine Dorf 11 Untertanen des Domkapitels und 6 Untertanen der Herrschaft Schwabegg.

 

„Ein Dorff von 18 Feuerstätten, wovon 11 das Domb-Capitul und 6 nebst der Preystatt die Churbayrische Graffschafft Schwabecke besitzet. Allhier wird viele Baumwollen gesponnen, Strümpfe gestricket, und nach Schwabmünchingen verkauffet. Der Feldbau, Wießwachs und Viehzucht ist schlecht, hingegen wächßt mehrer Stein-Obst allhier“ (K. 1750). Ein Teil der Bewohner verdiente sich den Lebensunterhalt durch Besenbinden.

 

Die landesherrlichen und grundherrlichen Rechte waren umstritten. Die Landeshoheit verlangten sowohl die Markgrafschaft Burgau wie auch die Herrschaft Schwabegg. Baiern hat sich jedoch stets durchgesetzt. In einem Vertrag von 1669 (erneuert 1785) gestand Baiern die Niedergerichtsrechte dem Domkapitel zu.

1613 gab es in Klimmach 18 Häuser.

 

Die Teerung der Ortsstraße erfolgte 1959. Von 1966-1971 wurde die Flurbereinigung durchgeführt. Die letzten Strohdächer verschwanden 1955 und 1956. Die Erweiterung des Friedhofes und der Bau des Leichenhauses (gemeinsam mit Birkach) erfolgten 1968. Im Ort befindet sich 1 Gaststätte.

 

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Kreuz ist mit ihrer reichen Ausstattung der bemerkenswerteste einheitlich-barocke Sakralbau des Landkreises. Die Wallfahrt entwickelte sich in der Mitte des 16. Jahrhunderts, als Hans von Rechberg der damals armen Kirche eine Kreuzpartikel schenkte. Der Neubau entstand auf Betreiben des verdienstvollen Pfarrers Michael Menner in den Jahren 1705/08; Baumeister war Matthias Stiller aus Ettringen, der eigens - ähnlich wie in Großaitingen - einen Trupp Wessobrunner Maurer und Stukkatoren heranzog. Die Ausgestaltung der Kirche durch in der Herrschaft Schwabegg ansässige Meister war bis 1709 vollendet; die beiden Seitenkapellen kamen 1729 hinzu, wodurch das Gotteshaus seine Kreuzform erhielt.

 

Das Stichkappengewölbe in Chor und Langhaus ist mit plastischem Wessobrunner Stuck überzogen, dessen Hauptmotive Akanthusranken, Eichenblattstäbe, Fruchtgehänge und Blüten sind. Dem Stil der Barockzeit entsprechend ist die Decke noch in einzelne geometrische Felder aufgeteilt: die Hauptfelder enthalten Malereien von Michael Niggl aus Hiltenfingen, die sich im Langhaus auf das Thema des Hl. Kreuzes beziehen. Altäre und Kanzel (z. T. erst 1735), Gestühl und Beichtstühle sind Arbeiten der berühmten Kistlerfamilie Bergmüller aus Türkheim in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Martin Beichel. Die Altarbilder und die Bilder der Emporenbrüstungen und der Beichtstühle schuf Johann Degler aus München.

 

• Pfarrei

 

Der Ort ist in der Urmark der Schwabmünchner entstanden, und dort haben wir für den Sprengel auch die Mutterkirche zu suchen. Ob nach der Gründung einer Pfarrei im Umkreis von Klimmach die Pfarrkirche von Anfang an in Klimmach stand, ist nicht sicher nachzuweisen; jedenfalls gab es in Leuthau 1241 eine Pfarrkirche. Es mag sein, dass von dort später die Pfarrechte nach Klimmach übertragen worden sind. Der Kirchensatz gehörte 1491 zur Herrschaft Schwabegg. Die Pfarrei war offenbar schon im 15. Jahrhundert nicht mehr mit einem eigenen Pfarrer besetzt, sondern wurde vom Pfarrer von Schwabegg versehen. Seit 1580 war ihm zeitweise auch die Pfarrei Konradshofen beigegeben, seit 1627 nahm jedoch der Pfarrer seinen Sitz in Klimmach. Von 1650-1656 wurden die eben genannten drei Pfarreien dem Pfarrer von Siebnach unterstellt. In der Folgezeit erhielt Konradshofen einen eigenen Pfarrer, der nun bis 1685 auch Klimmach und Schwabegg zu betreuen hatte. Den Bemühungen des Herzogs Maximilian Philipp von Baiern (in Türkheim) war es zu verdanken, dass 1685 in Klimmach ein Pfarrhof erbaut wurde und die Pfarrei wiederbesetzt werden konnte (1667 war Schwabegg der Pfarrei Konradshofen zugewiesen worden). Das heutige Patrozinium zur Schmerzhaften Muttergottes ist sicher nicht ursprünglich.

 

1726 wurde die Bruderschaft zu Ehren der Sieben Schmerzen Mariens wiedererrichtet. Die Bruderschaft zum hl. Kreuz wurde 1714 eingeführt.

 

Hans von Rechberg, Pfandinhaber der Herrschaft Schwabegg, hatte 1554 von seiner zweiten Pilgerfahrt nach Jerusalem eine ansehnliche Kreuzpartikel mitgebracht und sie der Pfarrkirche Klimmach als der ärmsten Pfarrei seiner Herrschaft gestiftet. Bald schon setzte der Zustrom der Wallfahrt ein. Das Visitationsprotokoll von 1607 berichtet, dass am Feste Kreuzauffindung sehr viele Leute aus etwa 20 Orten nach Klimmach gekommen seien. Der andauernd starke Besuch erforderte und ermöglichte 1705 den Bau einer größeren Kirche. 1721 genehmigte das Vikariat auf Bitten einer Anzahl Augsburger, nur Bürgern männlichen Geschlechts, eine jährliche Prozession. Die in der Aufklärungszeit gefährdete Prozession wurde 1787 von Fürstbischof Clemens Wenzeslaus unter erneutem Ausschluss von Mädchen und Frauen gestattet.

 

Ein Stimmungsbild über die Wallfahrt aus den Jahren 1880/90 vermittelt J. Rühfel in seiner „Geschichte des Dorfes Straßberg“:

 

„Alljährlich anfangs Juli, wenn im Feld das Getreide zur Reife geht, wenn die Lieder der Drossel und der Schlag des Schwarzplättchens in den Wäldern allmählich verstummen und auf den heißen Waldblößen die Erdbeeren aus Gras und Moos hervorglühen, zieht eine Schar frommer Waller von der Heiligkreuzkirche in Augsburg aus über Bergheim, Bannacker, Straßberg, Reinhartshausen, Waldberg und den Eggerhof nach dem einsamen Walddörflein Klimmach im oberen Schwarzachtal, um dort einen Partikel vom Kreuz unseres Herrn zu verehren.

 

Zwei Prozessionen gehen von Heiligkreuz ab, die eine am Samstagmorgen, die andere gegen Abend. An der ersten beteiligen sich Bürgersleute, die einen Tag erübrigen können, an der zweiten meistens Arbeiter, die nach der Mühe und Arbeit des Tages die Nacht und den folgenden ehrlich und redlich verdienten Ruhetag dem lieben Gott weihen. - Der eine Zug gelangt gegen 11 Uhr vormittags nach Straßberg, der andere gegen 11 Uhr nachts. Für die zuschauenden Kinder kommt natürlich nur die Tagprozession in Betracht. Mit Spannung wird sie erwartet, gibt es doch etwas zu sehen und die Wallfahrer beschenken sie mit Bildchen. Diese zeigen meist ein Muttergottesbild von Einsiedeln, Altötting, Violau oder vom heiligen Berg Andechs, auch die Kirche von Klimmach, über welcher die Kreuzpartikel mit den zwei Querbalken schwebt. Die größeren Kinder, soweit sie nicht ... beim Erdbeerpflücken sind und von dort aus den Zug sehen können, gehen den Wallfahrern wohl bis ins Äckerle hinauf entgegen, wo die Straße von Bannacker aus dem Walde tritt; andere warten bei den Stauden oberhalb der Wirtschaft, und die Kleinsten bleiben im Dorf und stellen sich an der Straße auf. Wenn dann endlich das Bild des Gekreuzigten und die ersten Wallfahrer zwischen dem Grün der Tannen sichtbar werden, dann fangen die Glocken an, den Ankommenden ihren hellstimmigen Willkommgruß entgegen zu senden; schon lange haben die Buben, die das Läuten besorgen, durch die Schalllöcher des Kirchturms Ausguck gehalten ...

 

In das Glockengeläute mischt sich dann der Gesang und das Beten der heranziehenden Menschen, das immer deutlicher wird, je mehr sie von der Höhe herunterkommen. Es sind schöne alte Lieder, die sie singen:

 

Beim frühen Morgenlicht
Erwacht mein Geist und spricht:
Gelobt sei Jesus Christus!
Und wenn der Tag entflieht,
So ist mein Abendlied:
Gelobt sei Jesus Christus

 

Oder:
Ein Haus steht wohlgegründet,
Ein Fels es trägt und hält,
Fest Stein mit Stein verbündet:
Gott hat es hingestellt.
Herr, wir loben dich!
Herr, wir bitten dich!
Mach uns im Glauben treu,
Schaff Herz und Sinne neu!

 

Und wenn sie beten, klingt immer wieder zwischen den Gesetzen des „Dreißigers“ ernst und gewaltig das Zwischengebet: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll. Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und Ewigkeit. Amen.

 

Mit gefalteten Händen stehen Kinder und Erwachsene an der Dorfstraße und lassen die Beter an sich vorüberziehen. Dann schließen sie sich dem Zug an und begleiten ihn zur Kirche. Dort liest der Wallfahrtsgeistliche die Lauretanische Litanei und das Volk antwortet auf den sechsundvierzigfachen flehentlichen Anruf der Himmelkönigin mit einem sechsundvierzigfachen: Bitt für uns! für sich selbst, denn es hat ja jeder sein Kreuz, und für alle Mitmenschen, gute und böse...

 

Darauf halten die Pilger Mittagrast unter den schattigen Kastanien der Wirtsgärten. Ihre Haupteinkehr ist beim mittleren Wirt. Um 1 Uhr brechen sie wieder auf. Manche Bewohner der Dörfer, durch welche die Wallfahrt geht, schließen sich schon dem ersten Zug an, doch sind es nur ganz wenige. Die meisten gehen mit der Nachtwallfahrt. Still und ruhig zieht diese ins Dorf ein, um sich in dem ... Gasthaus zu erquicken. Dann geht es durch das obere Dorf, den Gottesackerberg hinunter und in den Wald hinein. Wenn nicht mehr besorgt zu werden braucht, die Schläfer im Dorf zu wecken, beginnt das Beten. Voraus geht der Kreuzträger; das bläuliche Mondlicht fällt ab und zu durch die dunklen Wipfel der hohen Tannen, welche die Reinhartshauser Straße begleiten, auf das Kreuzbild und die Menschen und legt lange silberne Tafeln über den Weg; sonst zieht man im Halbdunkel der lichten Sommernacht dahin, umflattert von Glühwürmchen, während das Beten den Widerhall in den Waldestiefen weckt.

 

Vor Reinhartshausen hält man wieder mit dem Beten inne und beginnt damit erst wieder außerhalb des Dorfes. Wieder nimmt der Wald den Zug auf. Über Waldberg geht es dann und den Eggerhof der murmelnden Schwarzach entlang. Heller wird es am Himmel, die Sterne erblassen, nur der Morgenstern funkelt noch einige Zeit über den Wäldern. Der frische Morgenwind erhebt sich und macht die Wallfahrer frösteln, die ersten Lerchen erheben sich aus den taufeuchten Wiesen und Getreidefeldern und steigen jubilierend zum klaren Morgenhimmel empor. Endlich winkt der Kuppelturm der Kirche von Klimmach und die Glocken klingen durch die Sonntagsfrühe. Man macht Halt und wartet auf die nachkommenden Frauen, die Marienlieder singend die Höhe emporsteigen. Nach dem Einzug in die Kirche beichten die meisten; um 6 Uhr ist Hochamt und Predigt; dann wird gefrühstückt und gegen 9 Uhr der Rückweg angetreten. Fast jeder kauft sich eine hölzerne Nachbildung des Kreuzpartikels und befestigt sie an seiner Brust. Mittags um 1 Uhr erreicht man wieder Straßberg, wobei die Einwohner mit dem Geistlichen in Prozession den Wallfahrern entgegenziehen, sie in die Kirche führen und ihnen später beim Abzug das Äckerle hinauf das Geleite geben bis zum Waldesrand.“

Bis 1921 gehörte Klimmach zum Dekanat Kirchheim, bis 1972 zum Dekanat Walkertshofen.

 

• Wie Klimmach zu seiner Kreuzpartikel kam

 

Als Klimmachs einstiger Grundherr Ritter Rechberg von seiner Pilgerfahrt ins Hl. Land mit einem Schiff übers Mittelmeer fuhr, habe ein gewaltiges Unwetter das Wasser aufgewühlt, so dass alle Wallfahrer glaubten, ihr letztes Stündlein sei gekommen. Sie fielen auf die Knie und flehten innig zu Gott. Nun aber hatte Ritter Rechberg einen kostbaren Schatz bei sich, von dem er Segen und Heil erwarten durfte. Er gelobte, das Heiligtum, eine große Partikel vom Kreuze Christi, der Kirche von Klimmach zu schenken, wenn alle glücklich heimkehren dürften. Darauf glätteten sich die Wogen, schien die Sonne wieder und das Schiff erreichte bald die rettende Küste. Ritter Rechberg hielt sein Versprechen und so ist seit 1554 die Kreuzpartikel hochverehrter Schatz der Klimmacher Kirche.

 

• Einwohner

 

1810 113
1840 170
1861 221
1867 248
1871 250
1880 277
1890 248
1900 252
1910 239
1919 259
1933 249
1939 227
1946 335
1950 357
1956 275
1961 258
1970 237

 

• Landwirtschaftliche Betriebe

 

1939 42 
1949 40
1960 34
1971 31

 

• Handwerker

 

1810 gab es folgende Handwerker: 1 Bierbrauer, 1 Hufschmied, 1 Weber

 

• Der Ulrichsbrunnen (Sage)

 

Von Klimmach nach Guggenberg führt ein Weg durch den Wald Weidenhart. Dieses Gebiet gehörte früher zum Hochstift Augsburg. Hier ging einst Bischof Ulrich mit großem Gefolge der Jagd nach. Da der Tag heiß und das Jagen wild waren, sehnten sich die Herren nach einem frischen Trunk. Doch auf der Anhöhe war nirgends ein Brünnlein zu finden, so sehr die Jäger auch suchten. Da half St. Ulrich. Er stieß seinen Stab in das Erdreich und sogleich schoss ein klarer Quell hervor, an dem sich Bischof, Domherren und Jagdgesellschaft labten. Noch heute nennen die Leute jenes Wässerlein den Ulrichsbrunnen.

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