Nemos feines Gespür für Menschen 01.10.2017

Hundestaffel Übung AWO Heim

 

Schwabmünchen

Nemos feines Gespühr Menschen

Rettungshunde suchen im alten AWO-Heim in Schwabmünchen nach Vermissten. Welche Tiere sich für die Ausbildung eignen und warum das Gebäude an der Alpenstrasse ein Glücksfall ist. Von Siegfried P. Rupprecht

 

Zerstreut liegende Betonteile, zersplitterte Fliesen, zerborstenes Mobiliar, herausgebrochene Waschbecken, Übereinander getürmte Eisenteile: Unter diesen Trümmern drohen Verschüttete erdrückt zu werden. Im ehemaligen AWO-Heim an der Alpenstraße beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Mischlingshund Nemo hetzt durch eine dunkle Öffnung. Er hat Witterung aufgenommen. Der Vierbeiner sucht nach Verschüteten oder Verletzten. Plötzlich hält er inne, bellt lautstark. Nemo hat ein Opfer geortet. Rettungskräfte eilen herbei, bahnen sich einen Weg durch das Chaos und versorgen die Person. Das Szenario erinnert an ein Erdbeben oder eine Gasexplosion. Glücklicherweise ist es jedoch kein Ernstfall

Drei Rettungshundestaffeln halten im ehemaligen AWO-Heim das nach dem Abriss Platz für neuen Wohnraum macht eine Großübung ab. Das Gebäude ist für uns ein Glücksfall, freut sich Andreas Graf Riebler von Rowell. Der Chef der Rettungshundestaffel Augsburg und Umland aus Mittelneufnach hatte die Idee zu dieser Aktion. Die Schwabmünchner Feuerwehr ebnete ihm wiederum den Weg zur Benutzung des Hauses. Hier herrschen ideale Trainingsbedingungen. Mit dabei sind auch Staffeln aus Fürstenfeldbruck und Ulm.

 
 
 

Es geht um Schnelligkeit

 

Rund 20 Hundeführer haben sich mit mehr als 30 Vierbeinern eingefunden. Wir üben hier Situationen, mit denen wir bei Erdbeben, Gebäudeeinstürzen oder Gasexplosionen konfrontiert werden, erklärt Graf Riebler von Rowell. Er verweist auf die Fernsehbilder der jüngsten Erdbebenkatastrophe in Mexiko und auf die Hurrikan-Verwüstungen in der Karibik. Bei der Übung gehe es um Schnelligkeit. Eingeschlossene Menschen müssen so rasch wie möglich wegen Sauerstoffknappheit oder schweren Verletzungen geortet und aus den Trümmern geborgen werden, so der Rettungshunde-Ausbilder.

Der Einsatz von speziellen Trümmersuchhunden sei in diesen Fällen die sicherste und effektivste Möglichkeit, Menschen zu orten und zu bergen, ergänzt Cordula Hermann. Sie ist Hundeführerin und Suchtrupphelferin beim Bundesverband Rettungshunde (BRH) in der Ulmer Staffel. Gut ausgebildete Tiere seien in der Lage, Menschen auch unter einer dicken Halde von Schutt und Gerölll zu wittern. Mit ihren feinen Nasen können Trümmersuchhunde viele Meter tief verschüttete Menschen riechen und dann anzeigen, so Anton Hartlmüller von der Staffel aus Fürstenfeldbruck. Seine Kollegin, die Einsatzassistentin Renate Aufenanger, ergänzt: Der Mensch besitzt zur Ortung lediglich seine Augen. Diese helfen beim Trümmereinsatz jedoch nur sehr wenig.

 

Harte Trainingsarbeiten und Prüfungen

 

Doch bis zur sicheren Ortung vermisster Menschen stehen harte Trainingsarbeiten und Prüfungen an. Die Anforderungen seien hoch, sowohl für Hund und Mensch, betont Cordula Hermann. Nicht alle Tiere seien zur Trümmersuche geeignet. Körperbeherrschung, Unerschrockenheit und Gehorsam sind unabdingbar. Der Trümmereinsatz setze aggressionsfreie und zuverlässig lenkbare Vierbeiner voraus.

Hinzu komme, dass die Rettungshunde in dunklen Räumen, auf rutschenden Trümmerteilen, in Rauch und Geräuschkulissen, nicht selten untermalt von lauten Rettungsgeräten und Kettensägen, agieren müssen. In diesen Extremverhältnissen gilt es, zielgenau die menschlichen Witterung bellend anzuzeigen, fasst Hartlmüller zusammen. Das alles könne nur ein in sich gefestigter und bestens ausgebildeter Trümmersuchhund leisten, ergänzt Graf Riebler von Rowell. Draufgängerische Vierbeiner seien dazu ebenso nicht geeignet wie ängstliche Spürrnasen.

 

Vermisste punktgenau lokalisieren

 

Die Übung im alten AWO-Heim ist für die Rettungshundestaffeln eine Herausforderung. Die unterschiedlichen Situationen erfordern eine genaue Lagebeurteilung und Einschätzung der Gefahren, so die Hundeführer. Darüber hinaus könne dort anschaulich geprüft werden, ob sich die Hunde absolut geländesicher bewegen und Vermisste punktgenau lokalisieren. Letzteres sei fürr die technische Hilfe notwendig, die Person an der korrekten Stelle zu retten.

Zu der Aktion haben sich auch einige Zuschauer eingefunden, so Miriam Neher und Rebekka und Simon Müller von der Schwabmünchner Jugendfeuerwehr. Sie sind von dem Training begeistert. Es sei beeindruckend, wie die Hunde trotz der Gefahrenquellen und den irritierenden Umgebungsgeräuschen die Witterung aufnehmen, meint Rebekka Müller. Auch für Trümmersuchhund Nemo hat sich die Übung gelohnt. Im Ernstfall hätte der Mischling durch seine schnell Ortung ein Menschenleben gesichert. Und im richtigen Leben gibt es dafür auch eine Belohnung  ein Leckerli aus der Hand der Geretteten.

 

 

 

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