Polizisten gingen von Tür zu Tür: So wurde Augsburg zur Sperrzone 25.12.2016

MZF bei der Bomben Evakuierung in Augsburg

Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr Schwabmünchen bei der Bomben Evakuierung in der Augsburger Maxstraße

Fliegerbombe


Polizisten gingen von Tür zu Tür: So wurde Augsburg zur Sperrzone
Zwei Stunden, dann waren die Straßen im Zentrum wie leer gefegt. Die Evakuierung während der Entschärfung der Fliegerbombe lief schnell und weitgehend ohne Probleme.

 

Es ist acht Uhr morgens, als die Stille des Weihnachtsmorgens über der Innenstadt zerrissen wird: „Achtung, Achtung, hier spricht die Feuerwehr: Aufgrund einer behördlichen Anordnung wird das Gebiet geräumt. Bitte verlassen Sie unverzüglich den festgelegten Sperrbereich“, schallt es von Lautsprecherwagen, die durch die Straßen fahren. Die Durchsage kommt aus allen Richtungen, wird von den Häuserwänden in die leeren Straßen zurückgeworfen.
In etlichen Fenstern ist am Weihnachtsmorgen ohnehin kein Licht zu sehen, die Straßen sind auch um 9 Uhr recht leer. „Wir sehen das als gutes Zeichen. Viele Leute sind wohl über Weihnachten ganz weggefahren und haben den Heiligabend woanders verbracht“, so Polizeisprecher Manfred Gottschalk. Vereinzelt gibt es schon am Vormittag Diskussionen mit Bewohnern, die ihre Wohnungen nicht verlassen wollen. Gegen 12 Uhr, zwei Stunden nach Inkrafttreten des Aufenthaltsverbots, spricht die Polizei davon, dass die Räumung planmäßig läuft. Gegen 13 Uhr sind die meisten der 33 Sektoren, in die die Rettungskräfte die Risikozone eingeteilt haben, kontrolliert.

 

Innenstadt war wie leer gefegt
Ab etwa 10 Uhr beherrschen Gruppen aus Bereitschaftspolizei und Freiwilligen Feuerwehrleuten das Bild auf den Straßen der Sperrzone. Die Innenstadt ist wie leer gefegt – es sind keine Fußgänger mehr auf den Straßen zu sehen. Die Maximilianstraße ist wie leer gefegt, es stehen auch keine geparkten Autos an den Straßenrändern.
In Gruppen von zehn bis 15 Mann schwärmen die Einsatzkräfte aus, um an Wohnungen zu klingeln. Nach dem Läuten warten die Einsatzkräfte zehn Sekunden ab – meldet sich niemand, gehen sie zur nächsten Haustür weiter. Anders ist es nicht zu schaffen, die 450 Straßen mit 32000 Haushalten im Sperrgebiet alle abzulaufen. Grundsätzlich, so die Polizei, seien die Bewohner nach Aufforderung selbst dafür verantwortlich, die Gefahrenzone zu verlassen. Man werde keine Türen aufbrechen.

 

Von einem Balkon aus ruft eine alte Frau um Hilfe – obwohl es 10 Uhr vorbei ist, sei noch kein Krankentransport für ihren gehbehinderten Mann gekommen. Wie sich herausstellt, gab es ein Missverständnis mit den Telefonnummern. Die Feuerwehr bringt das Ehepaar zu Verwandten nach Diedorf. Eine 89-jährige Frau will hingegen ihre Wohnung nicht verlassen – sie habe die Bombennacht überlebt und wolle jetzt nicht weg, sagt sie. Schließlich lässt sie sich von den Einsatzkräften doch dazu überreden, zu gehen.


Am Nachmittag geben die Behörden bekannt, dass das Sperrgebiet geräumt ist. Auch die Einsatzkräfte verlassen das Areal, um sich in Sicherheit zu bringen. Jetzt können die Sprengmeister mit ihrer Arbeit beginnen. Sie entschärfen dreieinhalb Stunden lang die Bombe - bis es am Abend Entwarnung gibt und die Augsburger erleichtert nach Hause eilen.

 

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