Ausgebüxte Jungrinder demolieren Polizeiautos 16.03.2015

ausgebüxte Kuh 16.03.2015

Ausgebüxte Jungrinder demolierten Streifenwagen.

Schwabmünchen

Ausgebüxte Jungrinder demolieren Polizeiautos

Zwei ausgebüxte Jungrinder haben am Sonntagnachmittag eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Verfolgungsjagd führte quer durch Schwabmünchen.

 

 

 

 

Die Wurzeln des Stierlaufs im spanischen Pamplona reichen zurück bis ins Mittelalter. Damals trieben Metzgerburschen das Vieh zum Markt durch die engen Gassen. Ähnliche Szenen spielten sich nun am Sonntagnachmittag in Schwabmünchen ab. Allerdings ungewollt.

 

 

Vier Stunden lang hielten zwei ausgebüxte Jungrinder die Polizei in Atem. Die Bilanz: Etliche verwüstete Vorgärten, Gartenzäune, Mauern und Hecken, zwei beschädigte Streifenwagen, ein Dutzend erschöpfte aber siegreiche Cowboys, Überstunden für die Nachmittagsschicht der Polizei und letztendlich zwei unverletzt eingefangene Rinder.

 

Begonnen hatte der Stierlauf in Hiltenfingen. Ein Landwirt hatte mehrere Jungrinder einer Spezialrasse erworben. Als er diese etwa 350 Kilogramm schweren Tiere gegen 16.20 Uhr aus dem Viehanhänger entlud und auf seine Weide treiben wollte, büxten zwei von ihnen aus und flüchteten Richtung Schwabmünchen.

 

Der Landwirt konnt nur noch hinterhersehen und informierte daraufhin mehrere Personen, unter anderem auch einige Mitglieder der Jugendfeuerwehr Hiltenfingen. Gesichtet wurden die beiden Jungrinder dann zunächst im Bereich des Landtechnikbetriebes in der Kaufbeurer Straße in Schwabmünchen. Ein Rind gab ob der Übermacht der Verfolger auf und konnte wieder in einen Viehanhänger verladen werden. Doch das andere Rind war nach Auskunft der Polizei freiheitsliebender und lieferte der Suchmannschaft ein heißes Rennen. Mittlerweile wurden die Feuerwehrler verstärkt durch drei Streifenwagen und etliche Landwirte.

 

Im wilden Zickzack durch die Vorgärten

Die Verfolgungsjagd führte quer durch Schwabmünchen. Besonders betroffen war der südwestliche Teil der Stadt entlang Siemensstraße, Kaufbeurer Straße, Schafhalterweg, Alpenstraße, Taubentalstraße, Mühlangerweg, Weberstraße, Badstraße, Riedstraße, Jahnstraße, Museumstraße und Gartenstraße. Das Rind blieb allerdings nicht vorschriftsmäßig auf der Straße, sondern sprang im wilden Zickzack immer wieder durch Vorgärten und Grünanlagen. Bisher haben sich knapp 20 Betroffene bei der Polizei gemeldet. Ramponiert wurden aber auch zwei Streifenwagen der Polizei: Verbeulte Kotflügel verbeult und ein abgerissener Rückspiegel.

 

Im Gegensatz zu seinen tierischen Kollegen aus Pamplona kam das ausgebüxte Jungrind aber nach der wilden Hatz mit dem Leben davon. Ein Veterinär von der Tierklinik Gessertshausen traf gegen 19 Uhr in Schwabmünchen ein und gab drei Schüsse aus einem Betäubungsgewehr ab. Zunächst blieb das Rind davon unbeeindruckt, erst eine Stunde später setzte langsam die Wirkung ein. Gegen 20.20 Uhr konnte das Tier zwischen einem der zwischenzeitlich vier eingesetzten Streifenwagen und der Mauer an der Kreuzung Gartenstraße/Lechfelder Straße eingeklemmt werden.

 

Ein mutiger Polizeibeamter packte das Jungrind bei den Hörnern und konnte es nach bester Rodeomanier zu Boden bringen. Dem Gewicht der etwa zehn freiwilligen Helfer konnte das geschwächte Tier dann nichts mehr entgegensetzen. Das Abladen auf der Weide klappte dann im zweiten Anlauf.

Humorvoll beschreibt Schwabmünchens Polizeichef Diethard Pascher in seiner Pressemitteilung die juristische Lage: „Der Tatbestand der Unfallflucht kann im Gegensatz zu ersten Verdachtsäußerungen durch die Geschädigten nicht bejaht werden.“ Fest stehe jedoch, dass für die materiellen Schäden die Versicherung des Landwirtes aufkomme.

Für die Teilnehmer des Stierlaufs in Pamplona gibt es übrigens einige Verhaltensregeln. Diese können ohne Weiteres auf Schwabmünchen übernommen werden.

 

Am Stierlauf nur nüchtern teilnehmen.

 

Sich vor dem Lauf warm machen.



Genügend Abstand zu den Stieren halten.

 

Auf geraden Strecken außen laufen, Kurven immer innen nehmen.

 

Liegt man am Boden, sollte man so flach wie möglich liegen bleiben,

nicht aufstehen oder sich aufrichten, weil das dem Stier ermöglicht, die Hörner in den Körper zu bohren.

 

Eine Zeitung mitnehmen, mit der man den Stier ablenken kann.

 

 

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