Baum steht 23.04.2013

Maibaum 2013

Es dauert lange, bis ein Maibaum steht: Zuerst sind die Hindernisse auf dem Transport zu bewältigen, wie z.B. ein Kreisverkehr. Dann wird der Stamm auf dem Marktplatz geschmückt und mit dem Autokran aufgestellt. Die Verantwortlichen von Feuerwehr und Trachtenverein fixieren den Stamm in der Verankerung (rechts Vorsitzender Andreas Hieble), dann endlich: Baum steht!

Tageswerk

Baum steht

Fällen, entrinden, transportieren, schmücken, aufstellen: Zehn Stunden dauert es, bis der Schwabmünchner Maibaum den Schrannenplatz schmückt. Um die Organisation kümmert sich die Feuerwehr

Von Konstantin Wamser

Schwabmünchen

 

Jetzt steht er bereits mit seinen Wappen und den Verzierungen: der Schwabmünchner Maibaum auf dem Schrannenplatz, wie wir gestern bereits berichteten. Doch wie kommt der 30-Meter-Koloss überhaupt so weit? Unsere Zeitung begleitete die Maibaumfreunde bei dieser Herausforderung.

 

Der Duft von feuchtem Holz liegt in der Luft, als die zehnköpfige Gruppe der Maibaumfreunde der Feuerwehr Schwabmünchen samstagmorgens um 7 Uhr in einem Waldstück nahe Guggenberg ankommt. Mitten im Forst liegt ein frisch gefällter Baum. Auf den ersten Blick scheint er wie alle anderen einfach nur da zu liegen. Doch dieser Stamm hat eine Besonderheit: In wenigen Stunden ziert er als Maibaum das Stadtbild. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun.

„Die letzten zwei Wochen waren für mich etwas stressig“, sagt Ulrich Sommer. Als stellvertretender Vorsitzender und Maibaummeister der Maibaumfreunde ist er für den Auswahl- und Aufstellungsprozess des Baumes verantwortlich. Sommer, selbst gelernter Forstwirt, suchte einige Tage vor der Fällung gemeinsam mit dem zuständigen Forstamt einen geeigneten Kandidaten. Sie entschieden sich für eine große und kräftige Fichte.

 

Der Baum wird mit Händen und Werkzeug entrindet

 

Zunächst muss der gefällte Baum geschält, also entrindet werden. Das geschieht ganz manuell mittels sogenannter Schäleisen. Mit der Motorkettensäge trennt der Maibaummeister die vielen kleinen und großen Äste vom Stamm ab. Um die Fichte zu drehen und sie rundum bearbeiten zu können, greifen die Helfer aber dann doch auf einen Traktor zurück. Während der Arbeit gibt jeder seinen Tipp über das Alter des Baumes ab. Am Ende werden die Jahresringe gezählt: Nach zweimaligem Zählen lautet die Erkenntnis, dass der zukünftige Maibaum bereits 121 Jahre im Forst stehen musste. „Das ist schon ein hohes Alter für diese Baumart. Normalerweise haben Fichten eine Umtriebszeit von 80 Jahren“, erläutert Sommer. Als Umtriebszeit wird der Zeitraum zwischen Anpflanzung und Fällung eines Baumes bezeichnet.

Traditionell wird der Maibaum, wie der Name bereits sagt, am 1. Mai aufgestellt. Dass es dieses Jahr einen so frühen Termin gibt, begründet Sommer wie folgt: „Ich persönlich mache das alles dieses Jahr das erste Mal. Falls also heute irgendwas schief geht, wenn zum Beispiel das Holz bricht, haben wir immer noch eine Woche Zeit, für Ersatz zu sorgen.“

 

Rückblick: Der Verein Maibaumfreunde der Feuerwehr Schwabmünchen wurde 2011 gegründet. Damals stellte die Freiwillige Feuerwehr Schwabmünchen den Maibaum auf. Der Trachtenverein, der sich bis dato um den Erhalt dieses Brauches kümmerte, hatte für die Auswahl des Baumes und die Organisation des Festes keine Kapazitäten mehr und legte die Verantwortung in die Hände der Feuerwehr.

 

Transport mit 50-Meter-Gespann erweist sich als kompliziert

 

Im Schwabmünchner Forst wird es mittlerweile laut. Eine spezielle Maschine ist eingetroffen, um den über 30 Meter langen Baum aus dem Wald heraus zu ziehen und nach Schwabmünchen zu transportieren. „Jetzt wird es heikel“, weiß der Maibaummeister. „Ich hoffe, der Baum bleibt während der Fahrt ganz.“ Nachdem der Stamm auf einem Anhänger festgemacht wurde, setzt sich das knapp 50 Meter lange Gespann in Bewegung.

 

Die Route führt von Guggenberg nach Schwabmünchen über die Ried- und Mindelheimer Straße zum Schrannenplatz. Unterwegs stoppt der Transport immer wieder, da einige Engstellen überwunden werden müssen. Während die Feuerwehr die Verkehrsabsicherung übernimmt, staunen die anderen Verkehrsteilnehmer nicht schlecht über den ungewohnten Anblick. Um 11 Uhr erreicht der Tross den Schrannenplatz. Jetzt müssen die Zunft- und Sponsorentafeln angebracht werden, bevor um halb vier der Autokran eintrifft. Dieser hebt den über zwei Tonnen schweren Baum in die Verankerung, in der er von den Helfern gerade ausgerichtet und verschraubt wird.

 

Nach fast zehn Stunden Arbeit im Nieselregen kann sich das Ergebnis sehen lassen. Auch Ulrich Sommer ist erleichtert: „Heute hat alles super geklappt. Nichts ist kaputt gegangen und der Baum steht fest und sicher.“ Dem Baumliebhaber, wie er sich selbst nennt, ist die Erleichterung über den reibungslosen Ablauf anzusehen. Jetzt freut er sich auf das Fest am 1. Mai, bei dem der Baum um 11.30 Uhr offiziell eingeweiht wird.

drucken nach oben