Dem alten Pfarrhof droht die Abrissbirne 30.01.2014

Gemeinschaftshaus Schwabegg 30.01.2014

In Schwabegg soll der denkmalgeschützte alte Pfarrhof bei der Kirche abgerissen werden und einem Gemeinschaftshaus Platz machen. Er ist seit mehreren Jahren nicht mehr bewohnt.

Schwabegg

Dem alten Pfarrhof droht die Abrissbirne

Doch nicht alle sind glücklich darüber, denn das Schwabegger Gebäude steht unter Denkmalschutz. Ein neues Gemeinschaftshaus für Feuerwehr, Kirche und Vereine soll entstehen

 

Einst war der alte Pfarrhof in Schwabegg Wohnhaus für den Geistlichen des Dorfes. Dann lebte dort eine Familie. Nun steht das Gebäude seit schätzungsweise 15 Jahren leer. Dass etwas geschehen muss mit dem maroden Haus, darüber sind sich alle einig. Die Frage allerdings lautet: Entkernen und sanieren oder Abriss und Neubau? Denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Nach Ortsbegehungen von Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde, anschließenden Stellungnahmen und Empfehlungen, genehmigte das Landratsamt nun den Abriss. Das scheint die wirtschaftliche Variante zu sein.

 

„Das Gebäude ist so marode, dass es sich nicht mehr herrichten lässt“, sagt Schwabmünchens Pfarrer Klaus Ammich. Er befürwortet den Abriss, obwohl ihm bewusst ist, „dass viel Geschichte in dem Haus steckt“. Bürgermeister, Stadträte und der Schwabegger Ortssprecher Josef Alletsee sind sich ebenfalls einig, dass man um einen Abriss nicht herumkommt. Auf dem Grundstück soll dann ein Dorfgemeinschaftshaus entstehen mit einer Garage für die Feuerwehr und Gruppenräumen für die Kirche und Vereine

 

Das jetzige Feuerwehrhaus ist ebenfalls sanierungsbedürftig und außerdem viel zu klein für das Fahrzeug. Das bemängelt auch in aller Regelmäßigkeit die Aufsichtsbehörde. Doch auch mit einer Sanierung würde die Garage nicht größer werden. Die Kirche braucht zudem dringend Platz für Ministranten- und Jugendgruppen, Chöre und Pfadfinder. Die Vereine sind ebenfalls an zusätzlichen Räumen interessiert. Denn die bisherigen Treffpunkte sind alles andere als optimal: Die alte Schule zum Beispiel ist auch sanierungsbedürftig und den Ofen muss man noch von Hand mit Öl befüllen, sonst frieren die Gäste. Im Dachgeschoss des Kindergartens gibt es zwar einen Raum für Vereine, aber der ist nicht barrierefrei. Eine schmale Treppe führt hinauf, zu umständlich für Senioren.

 

Alle drei Häuser zu sanieren, käme viel zu teuer

 

Das Feuerwehrhaus, die alte Schule und den Pfarrhof zu sanieren, käme zu teuer. Deshalb soll nun eine Lösung – sprich ein Haus – für alle her. Das sei wirtschaftlich. „Es entstehen Synergieeffekte“, sagt Stefan Michelfeit vom Bauamt. Logisch. Schließlich benötigt man so zum Beispiel nur eine Heizung. Und das Toilettenproblem für Friedhofs- und Kirchenbesucher kann mit öffentlich zugänglichen Sanitäranlagen auch direkt gelöst werden.

Doch den Abriss eines denkmalgeschützten Hauses sieht Kirchenmaler und Restaurator Werner Schrupp aus Schwabegg gar nicht gerne: „Man sollte den alten Pfarrhof nicht dem Erdboden gleich machen. Dort wird ein historisches Bauwerk ausgelöscht. Das ist meine persönliche Meinung.“ Auch Alois Hampp, Ehrenvorsitzender des Vereins für Gartenbau- und Landespflege, gefallen die Pläne nicht: „Der alte Pfarrhof gehört zum Schwabegger Ortsbild. Man sollte ihn wieder herrichten.“

 

Bürgermeister Lorenz Müller nimmt solche Bedenken sehr ernst. „Mir ist der Denkmalschutz sehr wichtig. Aber das Gebäude ist wirklich in einem erbärmlichen Zustand.“ Den Pfarrhof zu sanieren, würde bedeuten, ihn als Wohnhaus herzurichten. „Wir haben in Schwabegg aber keinen Bedarf an Wohnungen, sondern an Gruppenräumen“, so Müller. Und für solche Gruppenräume gibt es exakte Vorschriften bezüglich Deckenhöhe und Flurbreite. Das aber lasse sich selbst bei einer Kernsanierung nicht machen. „Wir haben hier mit dem Gemeinschaftshaus die einmalige Chance, ein Gemeinschaftswerk zu schaffen. Das ist eine vernünftige Lösung für alle“, sagt Müller.

 

Nach Angaben von Josef Alletsee herrscht über den Neubau des Gemeinschaftshauses ein großer Konsens im Dorf. „Ich habe mit vielen Leuten im Ort und mit den Vertretern der Vereine gesprochen, die Reaktionen waren durchweg positiv.“ Mit dem Neubau bekäme Schwabegg endlich wieder eine schöne Ortsmitte, sagt er.

 

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