Feuerwehrfrau auf Probe 25.09.2010

Feuerwehrfrau auf Probe

In voller Montur durch die enge Kriechstrecke. Für viele Schwabmünchner Feuerwehrleute ist das Routine. Für unsere Redakteurin Monika Schmich (hier im Bild) nicht. Fotos: Feuerwehr, Schmich

Feuerwehrfrau auf Probe

Von Monika Schmich

 

 

Schwabmünchen

 

Brütende Hitze. Bis zu 1000 Grad ist es warm. Die Flammen schlagen hoch über das Haus. Sind noch Menschen im Gebäude? Hält der Dachstuhl? Es geht um Sekunden, um Leben und Tod. Zumindest in der Theorie.

Was sich hier im Obergeschoss des Schwabmünchner Feuerwehrhauses abspielt, ist zum Glück nur eine Übung. Die Raumtemperatur angenehm. Keine Flammen. Und das Einzige, was in Gefahr ist, ist meine Frisur. Trotzdem beschleicht mich ein beklemmendes Gefühl.

Ich stecke in einer Latzhose. Die hitzebeständige Jacke liegt schwer auf den Schultern. Helm und Handschuhe liegen parat. Und dann holt der Kommandant der Schwabmünchner Wehr, Hubert Prechtl, auch noch eine Atemschutzmaske samt Sauerstoffflasche hervor.

Gefangen in einem 80 Meter langen Bretterverschlag

„Nach menschlichem Ermessen müssten Sie das schaffen", sagt er und deutet in Richtung Tür. Dahinter liegt die Kriechstrecke. Hier simulieren die aktiven Kräfte den Zugriff auf brennende Gebäude. 80 Meter ist sie lang, ein enger Bretterverschlag, gespickt mit Hindernissen und Rohren, durch die ich mich hindurchzwängen soll.

Doch zunächst muss die Atemmaske über den Kopf. „Im Ernstfall müssen Sie sich in kürzester Zeit noch im Feuerwehrauto ausrüsten", sagt Prechtl. Aha. Sturmhaube darüber. Fertig. Alles nehme ich gedämpft wahr. Das Atmen fällt mir schwer, bis mir jemand die Sauerstoffflasche auf den Rücken packt und den Pressluftatmer anschließt. Plopp. Einatmen. Ausatmen.

Eine kurze Einweisung. Wozu in der Ausbildungsordnung der Feuerwehren 24 Unterrichtsstunden vorgesehen sind, muss hier in fünf Minuten passieren. Ich hab's so gewollt. Der Kommandant und die Feuerwehrfrau Martina Hiller stehen mir bei. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Astronaut, der schwer bepackt über einen fremden Planeten stapft - direkt hinein in die Kriechstrecke.

Es ist finster. Unser Dreierteam tastet sich langsam voran. Plötzlich ist Frontfrau Martina Hiller verschwunden: in der Röhre. „Und jetzt Sie." Prechtl lässt mir den Vortritt. Auf allen Vieren krieche ich hinein in die etwa 60 mal 60 Zentimeter große Holzröhre. In der dicken Jacke und der Hose fällt das Krabbeln schwer. Die Sauerstoffflasche, zwölf Kilo schwer, tut ihr Übriges. Der Helm rutscht mir über die Augen. Egal, viel sehen kann ich hier ohnehin nicht.

 

Plötzlich ramme ich eine Stange. Das erste Hindernis. Mitten in der Strecke ein Querrohr. Und jetzt? Untendurch. Ich schiebe den Kopf unter dem Rohr hindurch, dann die Schultern - es geht nicht weiter. Die Sauerstoffflasche verklemmt sich. Wie eine Schildkröte, deren Panzer zu groß ist, ziehe ich den Kopf ein. Dann also über das Rohr. Es geht weiter. An den Ernstfall mit Flammen, Hitze und Qualm mag ich nicht denken. Für mich ist das bereits der Ernstfall. Aber immerhin weiß ich, dass Leute vor mir heil aus der Röhre gekommen sind. Wie muss das erst für die Einsatzkräfte in einem unbekannten Gebäude sein?

 

 

Unter meiner Gummimaske fließt der Schweiß, das Herz pocht heftig, als ich nach endlosem Kriechen das Ende des Tunnels erreiche. Geschafft. Ich stehe, ich kann mich strecken und will mir am liebsten das Sauerstoffgerät vom Gesicht reißen. Prechtl deutet auf eine kleine Öffnung in der Wand. Da ist kaum Platz, so viel kann ich erkennen. Oh nein, es gibt einen zweiten Teil.

Nach einer weiteren Krabbeltortour geht es mit Wärmebildkamera in einen dunklen, verqualmten Raum. Wir suchen eine verletzte Person, kriechen über den Boden, tasten uns voran. An einem schweren Wasserschlauch halten wir uns fest, damit wir im Ernstfall den Ausgang wieder finden. Geschafft. Wir ziehen die Puppe aus dem Raum. Die Knie schmerzen. „Und jetzt ginge es eigentlich noch rauf auf den Schlauchturm zum Belastungstest", sagt Prechtl. Ich ziehe das Floriansstüberl im Erdgeschoss vor. Ist ja schließlich nur eine Übung.

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