Helfer arbeiten bis zur völligen Erschöpfung im Hochwassergebiet 06.06.2013

Hochwassereinsatz in Deggendorf

Auch die ganze Nacht hindurch füllten die Feuerwehrkräfte in körperlich anstrengender Arbeit unzählige Tausend Sandsäcke.

Katastrophenschutz

Helfer arbeiten bis zur völligen Erschöpfung im Hochwassergebiet

Viele Männer und Frauen aus unserer Region sind an der Donau im Einsatz

Schwabmünchen Sie leisten fast schon Unmenschliches: Die Helfer in den Hochwassergebieten arbeiten ohne Unterbrechung, um noch mehr Schaden abzuwenden. Schuften an Donau, Isar, Inn, Elbe und Saale, pausenlos. Mittendrin auch viele Helfer aus der Region. Zehn Feuerwehrler aus Schwabmünchen und Mittelstetten beispielsweise. Sie kehrten gestern aus dem Hochwassergebiet zurück. Oder auch das THW Schwabmünchen, das mit 18 Mitglieder vor Ort ist. Sie alle gehen an ihre Grenzen und teilweise darüber hinaus.

 

Stefan Missenhardt ist einer von Ihnen. Zusammen mit seinen Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Schwabmünchen und Mittelstetten ging es für den jungen Mann am Montagabend in das Krisengebiet. Freiwillig meldeten sie sich für einen Einsatz, bei dem sie lange Zeit nicht wussten, was auf sie zukommt. Wo sie überhaupt eingesetzt werden. Das Einzige, was klar war: Es würde anstrengend werden.

Und das wurde es auch. Erst kurz vor der Ankunft in Niederbayern kam der letztliche Einsatzbefehl. Nach Moos sollte es gehen. Dort, in der Nähe von Deggendorf drohte ein Damm zu brechen, drohten gleich mehrere Ortschaften unter Wasser gesetzt zu werden: „Das war schon ein komisches Gefühl“, gibt Missenhardt nach seiner Rückkehr zu. „Wir fuhren durch Ortschaften, in denen alle Bewohner evakuiert wurden. In denen kein Mensch mehr lebte. Da kommt man schon ins Grübeln.“

 

„Die Hilfsaktion war super organisiert“

 

Missenhardt und seine Kollegen wurden an ein Kieswerk gebracht. Dort sollten Sandsäcke gefüllt werden, zigtausende, dringend benötigte Sandsäcke. Zum einen galt es, den Damm zu stabilisieren, zum anderen einen zweiten Damm zu erhöhen, der die Wassermassen von weiteren Ortschaften fernhalten sollte: „Die Hilfsaktion war super organisiert“, sagt Missenhardt. „Wir konnten gleich nach der Ankunft loslegen.“ Und das taten sie auch.

 

Akkordarbeit hieß es in den folgenden zwölf Stunden: Eine halbe Stunde arbeiten, eine halbe Stunde Pause. Von 17 bis 5 Uhr – höchste Anstrengung für die Helfer vor Ort: „Wenn wir geschlafen haben, dann vielleicht einmal 15 Minuten im Auto“, sagt Missenhardt. „Das geht natürlich an die Substanz. Aber anders ging es nicht.“

 

Die Helfer aus Augsburg – insgesamt waren es 70 aus dem Landkreis – leisteten Außergewöhnliches: Füllten während ihrer Schicht so viele Sandsäcke, dass der Nachfolgetrupp erst einmal zu Hause bleiben darf. Sie dürfen daheimbleiben – vorerst, denn die Einheiten bleiben auf Abruf. Können jederzeit wieder in die Krisenregion geschickt werden. Und Missenhardt? Der kehrte gestern Mittag nach über 20 Stunden Einsatz wieder zurück nach Schwabmünchen: „Ich bin einfach nur noch fertig“, sagt der junge Mann. „Ich will jetzt einfach nur noch schlafen.“

 

Daran kann Konstantin Wamser aktuell nicht denken. Der junge Mann ist nur einen Tag nach seinem Einsatz in Passau zusammen mit 17 Kollegen des THW zurück nach Niederbayern gefahren. Hilfe wird immer noch benötigt. Auch wenn das meiste Wasser mittlerweile aus der Stadt wieder abgeflossen ist: „Unsere Aufgabe ist es jetzt die Keller und die Tiefgaragen leer zu pumpen“, sagt Wamser. „Und die Innenstadt vom Schlamm zu befreien.“

 

Wie lange er noch in Passau tätig sein wird, weiß er nicht. Vor Freitag rechnet er allerdings nicht mit einer Rückkehr nach Schwabmünchen. Zumal gestern Nachmittag bereits neue Hiobsbotschaften eintrafen: „In Deggendorf scheinen teilweise ganze Stadtteile von der Außenwelt abgeschnitten zu sein“, sagt der THW-Helfer. „Vielleicht werden wir in den kommenden Stunden noch dorthin verlegt.“

 

Auch 25 Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Augsburg-Land waren in Deggendorf im Einsatz. Bis Ende der Woche wird das Personal ausgetauscht und reduziert, zehn Männer und Frauen bleiben dann noch in Niederbayern, darunter drei Feldköche. „Ohne Mampf kein Kampf“, erklärte Klaus Gruber, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des BRK Augsburger-Land gestern.

 

Rund um die Uhr würden die Köche für das Wohl von Helfern und Evakuierten sorgen. Die Rotkreuzler schlafen zum Teil in der Stadthalle von Deggendorf oder in Sporthallen, sagte Gruber. Am Wochenende wird die Zahl der Helfer für die Aufräumarbeiten vielleicht wieder aufgestockt.

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