Schlaflose Nächte nach dem Einsatz 10.09.2010

Kommandant Prechtl

Hubert Prechtl ist als Feuerwehrmann in Augsburg und Schwabmünchen aktiv.

 

Augsburger Feuerwehrmann:

Schlaflose Nächte nach dem Einsatz

Eine rabenschwarze Woche auf den Straßen der Region: Innerhalb weniger Tage verunglückten drei Menschen tödlich, andere wurden schwer verletzt. An den Unglücksorten bot sich ein grausames Bild. Hubert Prechtl ist Einsatzleiter bei der Berufsfeuerwehr in Augsburg und Kommandant der Schwabmünchner Wehr. Er erlebt oft dramatische Situationen.


 

 

Gibt es für Sie noch immer Einsätze, nach denen Sie schlecht schlafen?

Prechtl: Die gibt es immer wieder. Da komme ich nach Hause und kann stundenlang nicht einschlafen. Aber es gibt Mechanismen, die man trainieren kann, um das zu verhindern.

 

Wie funktionieren die?

Prechtl: Wenn man zu einem Unfall kommt und anfängt nachzudenken, zum Beispiel darüber, wie wohl die Angehörigen reagieren, wenn die Polizei bei ihnen klingelt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass man sich zurücknehmen muss - einfach ein paar Schritte weggehen, wenn es der Einsatz zulässt, Luft holen. Mir persönlich ist auch der Glauben sehr wichtig und das persönliche Umfeld.

Sie sind ein Profi. Aber wie gehen die freiwilligen Helfer damit um? Sie müssen ständig damit rechnen, zu einem schlimmen Unfall gerufen zu werden.

Prechtl: Die Schwabmünchner Feuerwehr wird im Schnitt 200 Mal pro Jahr alarmiert. Es kann permanent sein, dass im nächsten Moment alles anders ist, weil man ausrücken muss. Das kann natürlich eine sehr große Belastung sein. Aber man muss sich einfach entscheiden: Entweder ich bin Feuerwehrler oder ich lasse es.

 

Mit welchen Gefühlen kommt man als Helfer an ein Unglück?

Prechtl: Zunächst überwiegt die Routine. Wir steigen aus, erkunden alles, dann kommen die Befehle. Solange man direkt an der Unfallstelle arbeitet, ist das weniger ein Problem. Problematisch wird es, wenn das Erste getan ist und wir warten müssen oder Angehörige kommen. Da besteht die Gefahr, dass man emotional zu sehr Anteil nimmt.

 

Was unternehmen Sie als Einsatzleiter und Kommandant in solchen Fällen?

Prechtl: Wir ziehen, wenn möglich, die Leute weg. Oder bei Aufgaben wie der Bergung eines Toten - da fragen wir, wer das machen will.

 

Was passiert nach Ende eines solchen Einsatzes mit Ihren Leuten?

Prechtl: Wir besprechen schwere Einsätze danach gemeinsam im Feuerwehrhaus. Und man bietet den Kontakt zur Notfallseelsorge oder Krisenintervention an.

 

Sie haben viele junge Leute im Team.

Prechtl: Die Jugendlichen dürften ab 16 Jahren mit ausrücken. Aber wenn wir zu einem Unfall mit eingeklemmter Person alarmiert werden, nehmen wir sie nicht mit. Sollte die Situation vor Ort dramatischer sein als erwartet, holen wir die jungen Kameraden zurück.

 

Der Umgang mit solch schrecklichen Bildern - das ist nicht nur ein Problem, das die Feuerwehrler haben?

Prechtl: Nein. Das betrifft genauso die Polizei oder den Rettungsdienst. Letzteren vielleicht am meisten, weil die Sanitäter noch unmittelbarer mit den Verletzten konfrontiert werden.

 

Interview: Monika Schmich

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