Wehr will „Brandschneisen“ in Solarstrom-Anlagen 17.11.2010

Photovoltaikanlage Feuerwehr

Wenn um die Photovoltaikmodule genügend Platz ist, dann kann die Feuerwehr im Notfall die Dachhaut problemlos mit der Axt öffnen, wie hier Kommandant Rainer Schmid von der Freiwilligen Feuerwehr Königsbrunn demonstriert. Foto: Marion Kehlenbach

Wehr will „Brandschneisen" in Solarstrom-Anlagen

von Marion Kehlenbach

 

 

Landkreis Augsburg

Gefährlich ist der Einsatz der Feuerwehrleute bei einem Hausbrand immer. Ist auf dem Dach aber eine Photovoltaikanlage installiert, kommen für die Wehr zusätzliche Gefahren dazu. Denn diese Anlagen stehen unter elektrischer Spannung, sobald Licht auf die Module fällt. Dazu reicht schon eine relativ schwache Lichtquelle, etwa ein Scheinwerfer, der nachts einen Brandherd erhellt.

 

Vor einem halben Jahr brannte im niedersächsischen Schwerinsdorf nach einem Zimmerbrand ein komplettes Haus ab. Der Feuerwehrkommandant ließ aus Sorge um die Sicherheit seiner Mannschaft erst löschen, nachdem von der Photovoltaikanlage keine Gefahr mehr ausging.

Seitdem wird in den Medien diskutiert, ob und unter welchen Risiken die Wehren bei Hausbränden mit Photovoltaikanlagen eingreifen können. Versuche, die stromerzeugenden Elemente mit lichtundurchlässigen Folien oder Löschschaum abzudecken, brachten nicht das erhoffte Ergebnis.

Im Internetblog unserer Zeitung schreibt ein Feuerwehrmann aus der Region angesichts der neuen Gefahren für die Floriansjünger: „Ich bin schon 30 Jahre bei der Feuerwehr und würde es gerne noch ein paar Jahre bleiben."

 

Kreisbrandrat Alfred Zinsmeister nennt die Berichterstattung zu diesem Thema „unglücklich", wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte: „Die Behauptung, die Feuerwehr kann nichts ausrichten, ist unhaltbar." Wichtig sei es, beim Löschangriff die Sicherheitsabstände einzuhalten - wie bei allen elektrischen Anlagen. Ähnlich äußerte sich Walter Mayr, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bobingen: „Wir löschen ja auch Hausbrände mit normalen elektrischen Anlagen." Besonderheiten beim Löschen von Dächern mit Photovoltaikanlagen werden im Unterricht besprochen, so Mayr. Die Feuerwehrschule Würzburg hat dazu ein Merkblatt erstellt.

Durch die größere Dachlast ist auch die Einsturzgefahr größer

Denn Stromschläge sind nicht die einzige Gefahr, die den Brandbekämpfern durch Photovoltaikanlagen drohen. Durch die größere Dachlast ist auch die Einsturzgefahr größer. Zudem kann das heiße Verbundglas beim Kontakt mit dem kalten Löschwasser bersten, ganze Module können herabstürzen, wenn Halterungen freigebrannt sind.

Zur Unterbrechung des Stromkreises sind neuere Anlagen (ab 2006) mit einer Gleichstrom-Freischaltstelle (DC-Schalter) ausgestattet. Die ist aber häufig im Keller installiert. So stehen auch nach dem Ausschalten die Module und die Leitungen bis zum DC-Schalter noch unter Strom.

„Jede Anlage ist anders, deshalb sind für uns Einsatzpläne für Häuser mit Photovoltaikanlagen hilfreich", sagt Kommandant Rainer Schmid von der Königsbrunner Freiwilligen Feuerwehr. Wenn die bei der Feuerwehr hinterlegt sind, wissen die Rettungskräfte sofort, ob und wie sich die Anlage trennen lässt und wo stromführende Kabel laufen.

 

Hubert Prechtl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Schwabmünchen, macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Wenn ein Dachstuhl mit Solarstromanlage brennt, fließt viel vom Löschmittel an den Modulen ab und erreicht nicht den Brandherd.

Deshalb wird empfohlen, die einzelnen Module mit einem Abstand von 15 Zentimetern zu montieren, damit die Feuerwehr im Notfall die Dachhaut schnell öffnen kann. Solche „Brandschneisen" auf dem Dach werden aber selten eingeplant. Dann passen nämlich weniger Module auf das Dach - und das schmälert halt die Rendite der Anlage.

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