Zwei Tage Großeinsatz 27.05.2013

Auch im Wald wurde geübt: Bei einem Forstunfall soll ein Arbeiter unter einem Baum eingeklemmt sein. Er wird mit Hebekissen befreit.

Auch im Wald wurde geübt: Bei einem Forstunfall soll ein Arbeiter unter einem Baum eingeklemmt sein. Er wird mit Hebekissen befreit.

Zwei Tage Großeinsatz

17 Übungen in 35 Stunden – Schwabmünchens Nachwuchsfeuerwehrler haben zwei anstrengende Tage hinter sich

 

Schwabmünchen

 

Ganz entspannt sitzen die zwölf Kinder und Jugendliche im Aufenthaltsraum der Feuerwache in Schwabmünchen. Spielen Billard, machen Späße. Alles ganz entspannt. Bis zu diesem penetranten Gongton. Ein Blinklicht leuchtet – und plötzlich ist alles ganz ruhig. Aufgeschreckt blicken die Jungfeuerwehrler nach oben. Strecken ihre Ohren in Richtung Lautsprecher. Eine kurze Ansage – und dann geht alles ganz schnell. „Brand in einem Wohnhaus, zwei vermisste Personen“ lautet die Ansage. Das Signal für den Feuerwehrnachwuchs. Es geht raus. Ein Einsatz wartet. Ab jetzt zählt jede Sekunde.

 

Der Brand ist eine von 17 Übungen, die der Nachwuchs binnen 35 Stunden absolvieren muss. Von Verkehrsunfall bis Wasserbergung, von Großbrand bis Unfall mit einem Gefahrguttransporter – den Kindern und Jugendlichen wird an diesem Wochenende der komplette Einblick in die tägliche Feuerwehrarbeit gegeben. Praxisnahes Lernen nennt man so etwas. Bei der Feuerwehr kann diese Übung Leben retten: „Wir haben jeden zweiten Montag eine Jugendübung“, sagt Stefan Missenhardt, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Schwabmünchen. „Aber diese zwei Tage sind schon der Höhepunkt des Jahres. Für alle Beteiligten, aber vor allem für unseren Nachwuchs.“

Das bekommt man schnell mit. Im Laufschritt geht es in die Fahrzeughalle. Zu den Schutzklamotten, zu den Einsatzfahrzeugen. Groß zurückgeschaut wird nicht. Klamotten gepackt und rein ins Auto – so wie bei den Großen. „Das ist schon was Besonderes“, sagen beispielsweise Susanne (16) und Maria (17). „Hier hat man auch einmal einen richtigen Einsatz. Das ist mal was anderes.“ Sagen’s und steigen in das Auto. Ein Brand muss ja gelöscht werden.

 

Knapp zwei Minuten nach Eingang des Notrufs rückt der Löschzug aus. Cheforganisator Stefan Missenhardt ist über Funk immer mit den Einsatzfahrzeugen und der Leitstelle verbunden. Ganz wie bei einem richtigen Einsatz eben.

 

Der Rauchgeruch steigt einem schon einige Hundert Meter vor dem Haus in die Nase – zumindest bildet man sich das ein. Vor Ort geht erst alles ganz langsam. Erkundungsphase nennen das die Feuerwehrler. Sich erst einmal einen Überblick verschaffen: „Das ist ungemein wichtig“, sagt Missenhardt. „Wenn jetzt Fehler passieren, kann man die später vielleicht nicht mehr ausbessern.“ Während sich die Einsatzleitung einen Überblick verschafft, stehen die Jugendlichen schon bereit. Auch Maria und Susanne haben sich mittlerweile Atemschutzgeräte angezogen. Wissen, dass sie gleich das völlig verrauchte Gebäude betreten müssen. Wissen nicht, was auf sie zukommt. Nur zwei Sachen sind klar: Viel sehen werden sie dabei nicht. Und: Immer noch ist eine Person – die zweite wurde inzwischen über eine Standleiter gerettet – vermisst. Doch zögern gibt es bei den beiden Mädchen nicht. Als eine der Ersten betreten sie das Haus. Sichern das Erdgeschoss, löschen die Brandstelle und gehen danach die weiteren Stockwerke des Gebäudes ab. Immer noch ist eine Person vermisst.

 

Im Keller werden Sie zusammen mit einem zweiten Team fündig. Zu viert hieven die Jugendlichen die lebensschwere Puppe aus dem Gebäude. Ein echter Kraftakt: „Haben sie gut gemacht“, lobt Missenhardt. „Auch wenn noch nicht alles perfekt war. Aber das ist auch gut so. Sie sollen ja auch was lernen.“

 

Maria und Susanne hören das nicht. Sie sind mittlerweile mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Wie es war, will jemand wissen. „War halt ’ne Übung“, sagt Susanne trocken. Man bedenke: Das Mädchen ist gerade zum zweiten Mal in ihrem Leben mit einem Atemschutzgerät in ein völlig verrauchtes Gebäude gelaufen. Man glaubt es ihr: Dieses Mädchen würde ohne Zögern auch in ein brennendes Haus gehen. Ein Profi eben.

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