Christus am Kreuz - ein Hinterglasbild

Zum Karfreitag eine Darstellung des Gekreuzigten aus dem 18. Jahrhundert

Christus am Kreuz Ausschnitt

 

 

 

 

Christus am Kreuz

Augsburg, um 1750

Hinterglasbild

 

 

Das mit 71 x 51 cm relativ große Hinterglasbild gibt ein schönes Beispiel für die Augsburger Hinterglasmalerei des 18. Jahrhunderts, die sich noch sehr an der Malerei des Barock orientierte.

Die Darstellung, ein sog. „einsamer Kruzifixus“, zeigt den noch lebenden Christus am Kreuz, ohne Begleitfiguren, vor einem Prospekt von Himmel und Erde. Damit überträgt sich die Einsamkeit des Leidens Jesu und zugleich seine Zugehörigkeit zu beiden Sphären, der Göttlichen sowie der Menschlichen.
Ungewöhnlich scheint uns an diesem Bild die Kürze des Querbalkens, die eine Fixierung der Arme fast über dem Kopf Jesu zur Folge hat. Es handelt sich hier um eine Darstellung im Stil eines „Jansenistenkreuzes“, das sich durch die Gestaltung des gekreuzigten Christus mit empor gestreckten, statt der sonst üblichen ausgebreiteten Arme definiert. Die Benennung geht auf den flämischen Theologen und Bischof Cornelius Jansen zurück, auf den sich eine innerkatholische Oppositionsbewegung (Jansenismus) in Frankreich und den Niederlanden berief. Jansen lehrte unter anderem mit Berufung auf Augustinus, dass einige der Gebote Gottes auch für die Gerechten unerfüllbar seien und dass es daher letztlich allein die Gnade Gottes sei, die den Menschen sittliches Handeln ermöglicht. Die enge Armstellung soll demnach die enge Pforte in den Himmel symbolisieren, die es nur wenigen ermöglicht, ins Paradies einzugehen. 

 

Die Darstellung orientiert sich an einer Vorlage des flämischen Kupferstechers Paulus Pontius, der gegen Mitte des 18. Jahrhunderts etliche Werke aus der Malerei kopierte und als Stiche popularisierte. 

Zu diesen Bildern gehörte auch der „Christus am Kreuz“ von 1610/11, den Pontius 1631 kopierte.

Rubens arbeitete ja mit etlichen Kupferstechern zusammen, um seine Werke in dieser Form weiträumig zu verbreiten. 

„Unser“ Hinterglasmaler legte nun Pontius’ Stich als Vorlage unter seine Glasplatte und übertrug das Motiv. Dabei ging er, wie bei der Glasmalerei üblich, „schichtweise“ vor und setzte zunächst die Konturen, dann die Schatten, Höhungen, Schriften und Details. Danach erfolgte die Ausarbeitung des Mittelgrundes und zum Schluss legte er den Hintergrund über die restliche Bildfläche. 
Wenn man ein Hinterglasbild von der Malseite her ansieht, ist also meist eine geschlossene Farbschicht zu sehen, die eine Darstellung nicht erkennen lässt.

Die hier gewählte Übertragungs-Technik hatte zur Folge, dass das Bild schließlich seitenverkehrt zur Vorlage zu sehen ist. 

Nachdem in der Augsburger Hinterglasmalerei des 18. Jahrhunderts keine Signaturen mehr erscheinen, ist eine Zuordnung des Kopisten nicht eindeutig möglich. Bernt von Hagen schlägt hier aufgrund stilistischer Merkmale den 1712 in Kufstein gebürtigen Maler und Feskanten Johann Wolfgang Baumgartner vor, der 1732 nach Augsburg kam. (siehe Bernt von Hagen, Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen. München 1988, S. 56)

 

Christus am Kreuz

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