Das Museum kommt zu Ihnen - heute der heilige Rochus

Der "Pest-Heilige" in der Sammlung sakraler Skulptur

Luidl Heiliger Rochus Ausschnitt

Das Museum ist geschlossen, doch das ist ja kein Grund, es völlig verschwinden zu lassen.
Wir kommen mit dem Museum einfach zu Ihnen! Und so vielfältig, wie es der Stil unseres Museums ist, wollen wir es auch hier präsentieren.

 

Unsere Sammlung sakraler Skulptur geht zurück auf den Museumsgründer Anton Maurer. Vor mehr als hundert Jahren unternahm der Privatbankier im Auftrag des Altertumsvereins Reisen, um Kunstwerke für das Bezirksmuseum zu beschaffen. So entstand eine Sammlung von hoher Qualität.

Heute stellen wir ein Werk daraus vor, das besser in die Zeit passt, als uns lieb sein könnte.

Lorenz Luidl, Heiliger Rochus
um 1710, Holz, gefasst


Er ist unter anderem der Schutzpatron der Kranken, der Ärzte, der Krankenhäuser und der Apotheker und wird vielerorts wie einer der 14 Nothelfer angerufen, vor allem bei Ausbruch einer Seuche und bei Unglücksfällen. Und er ist der Schutzpatron der Hunde.

Dargestellt wird der „Pestheilige“ meist als Pilger mit dem Pilgerstab und einem Salbendöschen. Am Bein offenbart er eine schwärende Wunde. In vielen Darstellungen wird er begleitet von einem Hund, der ein Stück Brot im Maul trägt.

Um das Leben des Heiligen Rochus ranken sich Legenden in verschiedenen Varianten. Relativ gesichert scheint zu sein, dass er um 1350 in Montpellier als Sohn des späteres Konsuls von Montepellier und einer Adeligen aus der Lombardei geboren wurde. Jung verlor er seine Eltern – manche Versionen der Legende erzählen, sie wurden Opfer der Pest-Epidemien 1358 und 1361, in denen über Monate hinweg täglich mehr als 500 Einwohner der Stadt starben. 

Der Verwaiste kam in die Betreuung eines Onkels und studierte an der medizinischen Schule in Montpellier; anschließend erhielt er eine weiterführende medizinische Ausbildung bei den Dominikanern. Als er volljährig war, verschenkte Rochus sein Vermögen an Bedürftige. Er trat dem Dritten Orden der Franziskaner bei und unternahm eine Wallfahrt zu den sieben Pilgerkirchen in Rom.

Schon auf dem Weg nach Rom gelang es Rochus immer wieder, zur Heilung von Pest-Patienten beizutragen. Drei Jahre blieb er in Rom. 

Auf dem Weg zurück in seine Heimat infizierte auch Rochus sich mit der Pest. Er zog sich in eine Waldhütte zurück. Dort wurde er den Erzählungen nach von einem Hund mit Brot versorgt und von einem Engel gesund gepflegt. Allerdings könnte das auch ein Junker namens Gotthard gewesen sein, der seinen Hund dazu abrichtete, dem Kranken Brot zu bringen, da er sich selbst nicht anstecken wollte. Rochus wurde wieder gesund und trat erneut den Heimweg an. 

In der Lombardei geriet er jedoch in die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Herzog von Mailand und der päpstlichen Liga. Er wurde als Spion gefangengenommen und nach Voghera gebracht. Sein Onkel war dort mittlerweile Gouverneur, und Rochus hätte sich aufgrund eines kreuzförmigen Muttermales leicht zu erkennen geben und damit einer Strafe entgehen können. Doch er blieb anonym und ging für fünf Jahre ins Gefängnis. 

Rochus starb in der Zeit zwischen 1376 und 1379. Seine Identität wurde erst nach seinem Tod offenbart.


Auch die kleine Skulptur von Lorenz Luidl in Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen zeigt typische Attribute des Heiligen: die Pestwunde, das Salbendöschen, den Pilgerumhang mit der Jakobsmuschel und in seiner Hand hielt er sicher einmal einen Pilgerstab.

Hund haben wir leider keinen zu bieten.


Lorenz Luidl war der hervorragendste Vertreter einer „Bildhauerdynastie“, die vor allem in Oberbayern und Schwaben zahlreiche Kirchen ausstattete. 

Er wurde 1645 in Mering als Sohn eines Bildhauers geboren und starb in Landsberg 1719 als wohlhabender und angesehener Ratsherr und Landsberger Bürger. 

Außer im Museum der Stadt, sind Werke von Lorenz Luidl in Schwabmünchen auch in der Frauenkirche zu sehen. Von ihm stammen die Tragengel am Altar der Kapelle.

Lorenz Luidl Heiliger Rochus

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