Die Galerie mittelschwäbischer Malerei des 19. Jahrhunderts

Von Zeit zu Zeit in der Galerie: Nazarener aus Schwaben

Galerie mittelschwäbischer Malerei des 19. Jahrhunderts

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Galerie mittelschwäbischer Maler des 19. Jahrhunderts ist nicht als Dauerausstellung eingerichtet. Ihre Räumlichkeiten werden alternierend ebenso von der „Galerie Gegenwart" und für wechselnde Sonderausstellungen genutzt.

 

 

 

 

Die „Nazarener"

 

Der Kreis um Peter von Cornelius stand für einen Malstil, der von König Ludwig I. begeistert gefördert wurde: den Stil der Nazarener.

Die Bezeichnung „Nazarener" geht auf eine Gruppe von Künstlern zurück, die sich 1810 in Rom zum sog. Lukasbund zusammenschloss. Der Lukasbund wollte die deutsche Kunst „aus der Religion heraus erneuern".

In Kleidung und Haartracht orientierten sich die „Lukasbündler" am gängigen Christusbild. Ihre Lebensweise und äußere Erscheinung wurde von den Italienern spöttisch mit dem Ausdruck „alla nazarena" umschrieben. Die Mitglieder des Lukasbundes griffen dies auf und gaben sich und ihrem Malstil die Bezeichnung „Nazarener".

 

Die Kunst der Nazarener und ihrer Nachfolger war eine programmatische Kunst. Ihr Ziel war die „Wiederbelebung christlicher Werte" und die Förderung des nationalen Zusammenhaltes durch Rückbesinnung auf eine „altdeutsche Vergangenheit".

 

Den Malstil kennzeichnet ein unpastoser Farbauftrag und das Fehlen von dramatischen Kontrasten oder Lichteffekten. Detailgenau werden Gemälde komponiert, in welchen Akteure, die für „das Gute" stehen sollen, bewusst idealisiert sind: „Das Gute wird im Schönen sichtbar".

 

 

 

Die Malerfamilie KoberJoseph Kober - Magdalena zu Füßen des Gekreuzigten - Leihgabe der Pfarrgemeinde Oberkammlach

 

Drei Generationen von Malern kann die Familie Kober aufweisen. Mit Ausnahme des Kunstmalers Joseph Kober waren sie alle als sogenannte „Malerhandwerker" tätig.

Malerhandwerker lernten bei einem Meister und auf der Wanderschaft. Ihre Aufgabe war die Ausführung von Tafelbildern oder Fresken nach den Entwürfen akademischer Maler.

 

Als „Stammvater" der Malerfamilie Kober gilt

Johann Pankraz Kober  (1796 - 1832), Malerhandwerker.

Er arbeitete an der Ausstattung zahlreicher Kirchen in Mittelschwaben, darunter in Erpfting, in Hiltenfingen und Westerringen.

 

Die Söhne Johann Pankraz Kobers:

 

Joseph Kober  (1823 - um 1884), akademischer Kunstmaler;

er besuchte die Augsburger Kunstschule und die Münchener Kunstakademie.

 

Karl Joseph Kober  (1824 - 1877), Malerhandwerker;

er erhielt 1850 in Schwabmünchen die Malerkonzession und bezog ein Wohnhaus in der Nachbarschaft Ferdinand Wagners.

Karl J. Kober war als Malerhandwerker in den Kirchen um Schwabmünchen tätig.

1877 freskierte er nach Entwürfen Ferdinand Wagners den Chor der Pfarrkirche St. Michael. Kober war 1863 bis 1869 Bürgermeister von Schwabmünchen.

 

Die Söhne Karl Joseph Kobers:

 

Joseph Kober - Heiliger Sebastian - Leihgabe der Pfarrgemeinde OberkammlachKarl Anton Kober  (1851 - 1910), Malerhandwerker;

er lebte in Schwabmünchen, dessen Geschicke er als Magistratsrat mit lenkte.

Als Malerhandwerker entwarf er u. a. wohl den Altar der

Schwabmünchner Krankenhauskapelle .

 

 

Leonhard Kober  (1853 - 1912), Malerhandwerker,

er verließ Schwabmünchen und betrieb in Neu - Ulm ein Farbengeschäft.

Das Heilige Grab für St. Magnus in Mittelstetten 1877/78 wurde von den Malerhandwerkern Leonhard und Anton Kober nach eigenem Entwurf gestaltet.

 

 

 

 

 

Leonhard Thoma  (1864 - 1921)

Leonhard Thoma - Gewandstudie

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlor die Nazarener Malerei im kirchlichen Bereich immer mehr an Bedeutung. Ein anderer Stil hielt nun Einzug in die Kirchenmalerei. Auch er griff auf Stilelemente einer vergangenen Epoche zurück und wird  „Neubarock" bezeichnet.

Leonhard Thoma gilt als ein führender Vertreter neubarocker Kirchenmalerei in Schwaben und Altbaiern.

 

Leonhard Thoma wurde 1864 in Fischach geboren.

Sein Vater fertigte im Nebenerwerb Krippen und Votivtafeln. Dies mag die Berufswahl des Sohnes beeinflusst haben.

Bei verschiedenen Meistern, vor allem in Augsburg, München und Wien, absolvierte Leonhard Thoma zunächst eine Ausbildung zum Dekorationsmaler.  Anschließend besuchte er die Kunstakademie in München.

Nebenbei war er als Restaurator und Kirchenmaler tätig und zeichnete für die Verlage May, Benzinger und für kirchliche Leonhard Thoma - bet und arbeitKunstanstalten.

 

 

Der Schwerpunkt des Werkes von Leonhard Thoma lag im Bereich der kirchlichen und religiösen Malerei.

1915 wurde er sogar von König Ludwig III. für das Hochaltarbild in St. Anna, Altötting, ausgezeichnet.

 

Doch er arbeitete daneben stets auch für staatliche und private Auftraggeber.

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