Museum online am Palmsonntag

Christus auf dem Palmesel

Palmesel
Christus auf dem Palmesel
Holz, gefasst, datiert 1750

Die Evangelien berichten, dass die Menschen Christus bei seinem Einzug in Jerusalem mit Palmzweigen zujubelten. Dies ist der religiöse Hintergrund für die Palmweihe und die Palmprozession am so genannten Palmsonntag. Das ist auch der Hintergrund für das Binden von Palmbuschen, die in Ermangelung echter Palmen in nördlicheren Breiten durch Buchsbaumzweige oder durch die Zweige von Weiden ersetzt wurden.

Im Mittelalter wurde vielerorts auch ein Esel, geschmückt mit Frühlingsblumen, mitgeführt, auf dem ein junger Kleriker oder ein Seminarist als Christusdarsteller saß. Jesus war ja auf einem Esel reitend in Jerusalem eingezogen. Bald verzichtete man jedoch darauf und zog nur noch einen hölzernen Esel samt einer Christusfigur auf einem Fahrgestell mit, den so genannten "Palmesel".

Unter einem Palmesel versteht man also die Holz-Skulptur eines Esels, der Jesus bei dessen Einzug in Jerusalem trägt. Die Jesus-Figur hat meist die rechte Hand segnend erhoben und hält mit der Linken die Zügel. Damit die Figur bei der Palmsonntagsprozession mitgeführt werden konnte, war sie auf eine fahrbare Plattform montiert.

Die früheste Erwähnung eines Palmesels enthält die Lebensbeschreibung des Heiligen Ulrich, die ca. 10 Jahre nach seinem Tod 973 verfasst wurde. Hier heißt es „Ulrich zog mit dem Evangelienbuch, mit Kreuzen und Fahnen und mit dem Bild des auf einem Esel sitzenden Herrn zusammen mit der Geistlichkeit und zahlreichem Volk von St. Afra über den Perlach-Hügel zum Dom.“ (zitiert nach Heidi Leuppi, Der Liber Ordinarius des Konrad von Mure. Freiburg/Schweiz 1995, S. 137) Hier ist es allerdings unklar, ob es sich um ein Tafelbild oder um eine plastische Figur handelte.
Erste Erwähnungen plastisch gestalteter Palmesel-Figuren findet man in Quellen aus dem 13.Jahrhundert. Die ersten als Objekte erhaltenen Palmesel werden in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert.


Der religiöse Sinn des Palmesel-Brauchs ging mit der Zeit verloren. Er wurde zur Volksbelustigung. So muss es bei den Umzügen vielerorts recht feucht-fröhlich hergegangen sein. In manchen Gegenden hängte man der Christusfigur im Verlauf des Umzugs immer mehr Eierkränze und Gebäck um, so dass sie zu brechen drohte, in anderen hob man sie vor jedem Haus vom Esel und legte sie zur Abwehr von Krankheiten dort ins Bett. Auch die mit dem Umzug verbundene Heische (die Bitte um Gaben) muss oftmals ausgeartet sein.
Dies alles gab in der Zeit der Aufklärung Anlass, den Brauch zu untersagen. Die Palmesel wurden in der Folge zerstört oder verstaut und vergessen. So „überlebten“ nur wenige Palmesel-Skulpturen bis heute.

Unser Palmesel, eine Leihgabe aus St. Martin in Schwabmühlhausen, datiert aus dem Jahr 1750. Eines seiner Ohren war abnehmbar und fungierte als „Sammelbüchse“, mit der während des Umzugs um Gaben gebeten wurde. Da es offenbar dadurch recht strapaziert wurde, wurde es im Laufe der Zeit ersetzt.

Apropos Palmesel: Hatten Sie heute auch einen „Palmesel“ in der Familie? Warum die Person, die als letzte an diesem Sonntag erwacht, als „Palmesel“ bezeichnet wird, steht nicht wirklich fest.




 
Christus auf dem Palmesel

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