Museum online - Zwei Szenen aus der Ferdinand Wagner Galerie

Das Liebesmahl und Der Tanz

Liebesmahl

 

 

 

 

Das Hauptgewicht des Werkes des seinerzeit sehr populären Malers Ferdinand Wagner (1819-1881) liegt zweifellos auf der Kirchenmalerei. Er zeichnete für die Ausstattung zahlreicher Kirchen im schwäbischen Raum verantwortlich. Auch die Freskierung von Fassaden betrieb er sehr erfolgreich, so

stammten die Fresken an den Augsburger Fuggerhäusern von ihm, im Fürstenpalast von Monaco führte er Wandfresken aus und noch heute sind seine Fresken am Kanzleigebäude in Konstanz zu sehen.
Daneben war Wagner ein hervorragender Portraitmaler. Doch seine Spuren finden sich auch im Bereich profaner Dekorationsmalerei. 

 Die Ferdinand-Wagner-Galerie zollt dem berühmten Sohn Schwabmünchens mit einer Präsentation ihren Tribut, die Biografie und Werk des Künstlers vorstellt.

Seine Dekorationsmalerei ist hier mit zwei Arbeiten dokumentiert. Einer davon begegnen wir im ersten Galerieraum links. Sie bildet einen Teil der Wanddekoration, die der Maler 1876 für das Weinzimmer des Hotels "Zum Weißen Lamm" in Augsburg anfertigte.

 

Das Liebesmahl

 

„Das Liebesmahl“, gemalt in Öl auf Kupferplatte mit Goldgrund, beschreibt eine Tischgesellschaft, bei der es recht deftig zugeht. Umrahmt von einer rankenden Pflanze, deren Teile als Sitzgelegenheiten und als Tisch-Auflage dienen, sitzt eine Gruppe von Damen und Herren, die in Kostüme der Rokokozeit gekleidet sind. Ihre Gesichter und Gesten sind teils karikaturesk überzeichnet. Der Tisch ist reich gedeckt, der Champagner fließt. Die Darstellung eines Affen, in der Kunst des Mittelalters oft als Symbol der Lüsternheit zu finden, könnte hier auch Bezug nehmen auf die Redewendung „einen Affen haben = betrunken sein“. In der Bildmitte sehen wir eine Dame, deren Ärmel von einem Putto hochgehalten wird. Sie schenkt ihrem Kavalier mit der Rechten Wein ein, während sie ihm mit der Linken scherzhaft droht. Sein verzücktes Gesicht mit den zum Kuss gespitzten Lippen kommt ihrem Dekolleté gefährlich nahe. „Gefährlich“ könnte ihm auch ein Putto kommen, der – versehen mit Pickelhaube und Vorderlader, - gerade eine Salve auf ihn abschießt. Amor trifft immer. Der Herr ist bereits „verloren“.
Doch trotz aller Weinseligkeit wird auch die moralische Botschaft nicht vergessen. Links sieht man Bettler, denen vom Überfluss gegeben wird.
Der schwer bewaffnete Amor ist im Bild die einzige Figur, die auf die Gegenwart, in der das Bild entstand, in humoriger Weise Bezug nimmt.

 

Sein Pendant findet das „Liebesmahl“ im nicht minder „wilden“ Stück „Der Tanz“, ebenfalls 1876 für das Weinzimmer des Weißen Lammes entstanden.
Zu sehen ist es im roten Kabinett der Galerie.

 

Der Tanz


Die Art der Befestigung der beiden Tafeln weist darauf hin, dass sie hinter einer Wandverkleidung montiert waren, die als Rahmen fungierte. Zwischen beiden Bildern befand sich in situ ein Pfeiler mit der Darstellung eines auf einem Fass sitzenden Bacchus mit Weinlaub-Girlanden.

Mit diesen Innendekorationen bezog sich Wagner auf die Tradition des Freskenschmucks alter Augsburger Gasthäuser. Das Genre, dem die Bilder angehören, erlebte seinen Höhepunkt in den leicht ausufernden Tanz- und Frühstücksszenen der französischen Rokokomalerei, wie sie etwa von Nicolas Lancret (1690-1743) geschaffen wurden.

 

LancretUnser Beispiel „Le déjeuner de jambon“, 1735, Öl auf Leinwand, hängt im Musée Condé im Schloss Chantilly (Abb. Wikimedia.org).

 

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