Turmuhr aus der Stiftskirche Heilig Kreuz

Ein Uhrwerk aus dem 17. Jahrhundert

Turmuhr Heilig Kreuz

 

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Bis Corona uns erlaubt, wieder ein normaleres Leben zu führen, dauert es ja noch. Geduld ist gefragt!
Was liegt da näher, als uns einmal die älteste Uhr unserer Sammlung etwas näher anzusehen:

 

Turmuhr aus der Stiftskirche Heilig Kreuz

Augsburg, 1685
Bezeichnung „Meister Christoph Bickelmann Großuhrmacher in Augsburg/anno 1685“
Eisen, Holz
Uhrwerk montiert H: 185 cm; B: 130 cm; T: 80 cm

 

Neben dem Gehwerk verfügt die Uhr über ein Viertelstunden- und ein Stundenschlagwerk. Angetrieben werden Geh- und Schlagwerke durch je ein eisernes, hier an Seilen montiertes, Gewicht.
Markierungen bezeichnen Partien, die bei einer Teilrestaurierung und -rekonstruktion1984 eingesetzt wurden.

Nachdem der Turm von Heilig Kreuz 1677 nach Plänen des Vorarlberger Barockbaumeisters Michael Thumb aufgestockt und mit einer Zwiebelhaube versehen worden war, fand die Turmuhr aus der Werkstatt des Augsburger Großuhrmachers Christoph Bickelmann dort für mehr als 150 Jahre ihren Platz. Thumb und Bickelmann arbeiteten übrigens zeitgleich auch beim Umbau der Stiftskirche des damaligen Augustiner-Chorherren-Stifts Wettenhausen zusammen. Die Turmuhr, die dort installiert wurde, war ebenfalls von Christoph Bickelmann gefertigt worden.
Als im 19. Jahrhundert die Uhr des Augsburger Domes ausgebaut wurde, wandte sich 1860 der Pfarrvikar der Kuratie Königsbrunn, Wilhelm Glatzmayer, an das Bischöfliche Ordinariat mit dem Wunsch, die Uhr für die Filialkirche in Königsbrunn zu übernehmen. Der neu erbauten, seit 1858 geweihten Kirche St. Ulrich fehlte noch eine Turmuhr.
Die Dom-Uhr bekam Königsbrunn zwar nicht; sie ging für 100 fl. an die ehemalige Stiftskirche Heilig Kreuz. Doch deren Turmuhr, die Bickelmann-Uhr also, war damit frei geworden und an den Kathedralfond zurückgegangen. Sie wurde nun als Geschenk des bischöflichen Ordinariats an St. Ulrich in Königsbrunn übergeben.
1914 wurde die Turmuhr zum Museumsobjekt. Der Museumsgründer Anton Maurer erwarb sie von der Katholischen Pfarrkirchenverwaltung Königsbrunn für das damalige Bezirksmuseum Schwabmünchen. 1984 wurde sie vom Schwabmünchner Uhrmachermeister Karl Keppeler überholt und wieder gangbar gemacht.

Der Großuhrmacher Christoph Bickelmann wurde 1655 in Nürnberg geboren und starb 1708 in Augsburg. Durch Verehelichung mit der Uhrmachertochter Barbara Lederle erwarb er die Schmiedegerechtigkeit, die man in Augsburg zur Ausübung des Schlosserhandwerks, dem der Bau von Großuhren zugeordnet war, benötigte. Turmuhren fertigte Bickelmann für zahlreiche Kirchen im bayerisch-schwäbischen Raum, darunter Holzen, Wettenhausen oder auch St. Pankratius in Lechhausen.

 

Zuletzt war die Turmuhr als Exponat für die Ausstellung "Treffpunkt Heilig Kreuz. König-Bürger-Bettelmann" im Diözesanmuseum St. Afra Augsburg entliehen.

 

Foto: Diözesanmuseum St. Afra Augsburg

 

Turmuhr Bickelmann

 

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