Weißer als weiß. Drogeriewerbung der 20er bis 60er Jahre aus der Sammlung Bernd Schönebaum

19.11.2017 - 13.05.2018

Weißer als weiß

Musikalisch wurde die Eröffnung am 19.11.2017 blitzsauber begleitet von La Occasio, dazu gab es lupenreine Köstlichkeiten vom Partyservice Naumann. Der Sammler, Herr Schönebaum, ist zur Eröffnung aus Springe bei Hannover zu uns gekommen und hielt eine sehr kundige und unterhaltsame Führung.
Zur Ausstellung: „Gegen Unkraut Rasikal“, „Panol tötet“, „Blett vor der Rasur und der Bart ist ab“ - die Sprache der Werbung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab sich gerne martialisch. Es wurde kein Zweifel gelassen an der sofortigen und konsequenten Wirksamkeit des beworbenen Produkts. Doch abgesehen von der Wortwahl ist der Unterschied zu den Werbebotschaften der heutigen Zeit oft nicht eben groß. FEWA verspricht „Hausarbeit in halber Zeit“ und „Seifix bohnert wunderbar, mühelos und spiegelklar“. Als ob es Seifix wäre, das sich selbsttätig damit abmüht, das Parkett glänzen zu lassen. Und während Schwarzkopf mit „extra-mild, extra-blond“ punkten möchte, zeigt Quick Creme Shampoo, wie es dem „müden Haar“ unglücklicher schwarz-weißer Frauenköpfe „neues Leben“ einhaucht. Ein strahlendes Gesicht in Farbe, umrahmt von wohlgeordneter Lockenpracht, ist der Beweis.

„Weißer als weiß“ bot einen unterhaltsamen Blick auf die Geschichte von Werbung und Produktgestaltung im Drogeriebereich. Sie ermöglichte daneben Schlüsse auf gesellschaftliche Entwicklungen und Rollenbilder.
Und sie zeigte, dass sich im Grunde weder die Werbebotschaft für Drogerie-Artikel noch die Produktpalette seither wesentlich verändert haben. Was man damals beim Drogisten fand, findet man auch heute noch im Drogeriemarkt – abgesehen freilich von Gartenschläuchen und Schweinefutter. Und wer unter Gicht und Rheuma leidet, wird heute auf ein als „ausgezeichnetes Heilmittel“ angepriesenes Requisit verzichten müssen, und zwar gerne: auf das Katzenfell.

Bernd Schönebaum, Ausstellungsagent und Sammler aus Springe, sicherte vor über 30 Jahren aus einer Abbruch-Scheune 400 Werbeplakate und –tafeln, die ein lokaler Drogist dort gelagert hatte. Schönebaum konservierte und bearbeitete den Bestand, ergänzte und erweiterte seine Sammlung, fügte weitere Tafeln und Aufsteller, Produktverpackungen und Objekte hinzu.
Die Ausstellung zeigte über 100 „Highlights“. Auch Exponate, die ihre Heimat in Augsburg hatten, fehlten nicht.

 

 

NIVEA

 

NIVEA-Werbung aus den 30er Jahren. Sammlung Bernd Schönebaum

 

 

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